25.11.2016     Wir sind in Tucson, der Stadt mit 500.000 Einwohnern. Hier kennen wir uns etwas aus und unser Training scheint gesichert. Zudem treffen wir uns mit Deborah und verbringen gemütliche und interessante Stunden miteinander.

Im Organ Pipe Cactus National Monument          23.11.2016

 

Noch sind wir nicht in diesem Nationalpark. Zuerst müssen wir von Yuma noch um die 250 km nach Osten fahren. Wir planen Zwischenstopps ein, um die Fahrt einigermaßen stressfrei zu gestalten. Mittags habe ich als Beifahrer immer einen Knick in meiner Bio-Rhythmus-Kurve. Hans gleicht sich mir so langsam an und so stehen wir zur Siestazeit regelmäßig in einer ruhigen Ecke zum Power-Schläfchen. Das hat sich als Reiseritual schon so richtig manifestiert.

Dann wollten wir nicht nur fahren und ruhen, sondern auch ein paar Schritte zwischendurch gehen. Also sind wir in Ajo, einem kleinen Örtchen, das durch einen Kupfertagebau (eingestellt 1985) geprägt war, eine Runde spaziert. Außerhalb des Ortskerns machte Ajo einen sehr verwahrlosten Eindrucck. Doch inmitten des Ortes gibt es zu unserer Verwunderung eine restaurierte Plaza, die sich sehen lässt. Dies verdankt der Ort dem Einsatz von einzelnen Personen, die staatliche Gelder und Fördermittel dazu verwendeten, um die Gebäude zu restaurieren. Man versuchte Künstler anzusiedeln und somit den Ort wieder attraktiver zu machen.

 

Am Ortsrand liegt der Kupfer-Tagebau von riesigem Ausmaß (über 2 km im Durchmesser!). Wir können an einem Ausguck einen Blick in das Abbaugebiet erhaschen. Überall sieht man Spuren des Kupferabbaus. Plätze in Ajo wurden mit Steinmaterial aus dem Tagebau planiert und auf den Steinen kann man grünlich-graue Oxidationsbeläge sehen. Als Malachit möchte ich diese Ablagerungen nicht bezeichnen. Aber sie ähnelten in der Farbe diesem Mineralgestein. Malachit sollten wir dann aber am nächsten Tag entdecken....

 

 

Auf Anregung aus dem Visitor Centre (Tourist-Info) von Ajo übernachten wir hinter dem Abbaugebiet in der Wüste. Es herrscht reger Betrieb auf der SR 86, die zum Grenzübergang nach Mexiko führt. Wir vermuten, dass das lange Wochenende mit dem Thanksgiving Day (Erntedankfest) genutzt wird, um Urlaub am Golf von Kalifornien zu machen oder gar auf die Halbinsel Baja de California zu fahren.  Die mit wenig Urlaubstagen gesegneten US-Amerikaner investieren weite Anfahrten, auch wenn es sich nur um eine Kurzreise handelt. Da sind sie schmerzfrei.

 

Wir biegen um die Ecke und sind in unserem Wüstendomizil für die Nacht. Ein klarer Sternenhimmel hat sich über uns entfaltet und es ist herrlich ruhig. Die Nachttemperaturen gehen bis auf 10 Grad Celsius herunter, also Standheizung an.

 

In den Organ Pipe Cactus Park...

Spannend. Es geht von Ajo 60 km südlich bis zum Parkeingang West. Nun können wir quasi nach Mexiko hineinblicken. Auf unserem Weg war eine Inland-Kontrollstelle der Grenzbehörden an der Landstraße. Kameras und Geschwindigkeitsbremsen sind an der Straße angebracht. Die Grenzbeamten überprüfen jedes Fahrzeug kurz per Nachfrage nach woher und wohin. Dabei müssen Pässe vorgezeigt werden. Schon ein komisches Gefühl....

 

Angekommen im Nationalpark lasen wir zuerst die traurige Geschichte des 28-jährigen Rangers Kris Eggle, der 2002 von Mitgliedern eines Drogenkartells mit Schüssen niedergestreckt wurde, als er sie beim illegalen Drogenschmuggel verfolge. Zu Ehren dieses jungen Mannes wurde das Besucherzentrum nach ihm benannt.

In unseren Köpfen entstanden schon die wilden Vorstellungen von Drogen- und Menschenschmuggel, Fluchten über die grüne Grenze und verdurstenden Menschen in der Wüste. Sensibilisiert für Grenzdramen zogen wir mit Leichtrucksack und Wasser bepackt auf eine Joggingrunde. Die Hechelei dauerte vielleicht eine Dreiviertelstunde an, da kam schon die erste interessante Bergwerksstätte, genannt Baker Mine. Ein alter Stolleneingang und jede Menge kleiner Halden mit taubem Gestein, über das wir uns mit Argusaugen hermachten. Vielleicht wurden ja schöne Mineralien vergessen? Bestimmt eine halbe Stunde gingen wir die Halden rauf und runter und ein paar kleine Stücke fanden den Weg in den Rucksack. Man musste ganz schön aufpassen, dass man statt Mineralien keine Kaktusdornen mitnahm. Selbst wenn man mit dem Fuß darauftritt, ist es unangenehm, bleiben diese Stechdinger doch in der Sohle stecken. Und wie dann wieder rauskriegen, ohne sie nachher im Finger sitzen zu haben? Ich hatte einige in den Unterarm abbekommen. Die Stacheln haben Widerhaken und das macht es so schwer, sich davon wieder zu befreien.

 

Nach unserer ersten Suchpause setzten wir uns (ächzend...) wieder in Bewegung, um dann nach einer Viertelstunde zum nächsten Mundloch zu springen. Ich immer weniger interessiert, Hans dagegen hatte Feuer gefangen und war auf der Suche nach "seinem tollen Gestein". Gott sei Dank ging es dann bergab und die Beine liefen wie von selber. Doch da war dann noch die Milton Mine auf der Karte. Diesen Umweg sollten wir noch machen, so O-Ton Göttergatte. Gut, dann soll es so sein. Ich hatte das Gefühl, dass meine Knie indes immer steifer werden und meine Beine hatten keine Lust mehr sich schnell zu bewegen. Die Sonne brannte ziemlich heftig herunter und ich konnte etwas nachempfinden, wie es im Sommer sein musste, wenn Sonne und Wind die Kehle austrocknen und die Augen vor Trockenheit zu brennen anfangen. Wir legten eine Trinkpause ein.

 

Danach schleppte ich mich mehr schlecht als recht hinter Hans her, dem diese Stein-Such-Pausen wohl nichts ausmachten. Wahrscheinlich war er sehr elektrisiert von dieser Schatzsuche, hatte er doch ein paar kleine Malachitstücke entdeckt.Auf jeden Fall war da noch viel Spannkraft in seinen Beinen. Ich dagegen war nur sauer und wollte schon an einer Station vorbeirennen, bis mich Hans zurückpfiff. Interessant. An einer Wegkreuzung stand eine Meldestation für Wüstenbegeher, die in Not geraten sind. Ein paar hundert Meter weiter deutete eine Flagge auf eine andere Stelle hin. Ein blaues Wasserfass war mitten in der Wüste angebracht worden. Die Flagge kennzeichnete die Stelle. Später haben wir von Deborah, unserer Wanderbekannten erfahren, dass Hilfsgruppen den mexikanischen Flüchtlingen Wasserstellen in der Wüste verschaffen. Auch fanden sich Dutzende von leeren, schwarzen 2-l-Wassercontainern, die verstreut herumlagen. Anscheinend werden diese Wasserbehälter in schwarz verwendet, weil die Grenzkontrollen helle Flaschen bei Patrouillen entdecken könnten. Das war spannend! Ich erwartete jede Minute eine Gruppe von Flüchtlingen, die unseren Weg queren würde. Seltsam, dass diese Wasserstellen nicht von Rangern entfernt werden.

Schilder der Nationalparkverwaltung wiesen darauf hin, dass man keine Flüchtlinge ansprechen sollte, geschweige denn helfen sollte und Verdächtiges zu melden sei. Diese Entdeckungstour nach verborgenen Wasserstellen und Fluchtrelikten war noch aufregender als Steine suchen...

 

Hans war noch in ganz guter Verfassung und entschied sich weiter zu joggen. Ich hatte die Nase von all den Unterbrechungen gründlich voll und wollte nur noch im Schnellgang wandern. Also gingen wir getrennt. Der Weg war für die restlichen 5 Kilometer eindeutig und jeder bewegte sich in seinem Tempo vorwärts. 2 Kilometer ging es durch ein ausgetrocknetes Flussbett, in dem ich wegen des tiefen Sandes nur langsam vorwärts kam. Ich war sehr erstaunt, als ich plötzlich wieder auf Hans traf, der auch durch das unwegsame Flussbett ausgebremst worden war. Letzten Endes waren wir froh, wieder am Auto zu sein. Wir waren ganz schön fertig und bei mir machte sich auch der Wassermangel in Form von Kopfschmerzen bemerkbar, hatte ich doch nur 1 Liter mitgenommen. Wir packten unsere Steinschätze aus und begutachteten sie nochmals... (Darf natürlich keiner wissen, ist es doch nicht erlaubt aus Nationalparks Steine und anderes zu entführen)

 

Illegale Einwanderung aus Mexiko

 

Vor sechs Jahren schon hat uns das Thema illegale Einwanderung beschäftigt. Wir trafen in Zentralmexiko eine junge Mutter, die uns erzählte, dass sie nach vielen Jahren Duldung in den U.S.A wieder zurückmusste. Die jüngsten Schlagzeilen stammten dann im Wahlkampf von dem Vorhaben Donald Trumps an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen zu lassen. Die Mauer sollte Mexiko finanzieren, die sich in Vorgesprächen natürlich dem Ganzen widersetzten. Werden Trumps Ideen umgesetzt, wäre es auch vorbei mit den Wasserdepots in der Wüste.

 

Ein eindrücklicher Bericht um die Gefahren der illegalen Grenzüberquerung könnt ihr unter folgendem Link einsehen:

 

http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-illegale-einwanderer-aus-mexiko-queren-grenze-unter-lebensgefahr-a-997394.html

 

Lt. FAZ (Aug. 2015) leben rund elf Millionen illegale Einwanderer aus verschiedenen Ländern in den USA. Viele von ihnen dürften aus Mexiko kommen. Das sind 3,5 % der gesamten US-amerikanischen Bevölkerung. Auch Ex-Präsident Obama hat Illegale wieder in ihr Heimatland deportiert und anscheinend wurden 400.000 pro Jahr wieder zurückbefördert. Trump hat unter anderem dafür plädiert, dass Banküberweisungen "durchleuchtet" werden. Illegale Einwanderer überweisen Geld für ihre armen Verwandten im Heimatland. Mit einem Screening sollen die Illegalen ausfindig gemacht werden.

Kakteen, Kakteen ...

 

Die nachfolgenden Bilder stammen von einer Autotour im östlichen Teil des Nationalparks.

 

Bild 1+2 zeigt die langen Saguarokakteen. Auf deutsch heißen sie auch Westernkakteen und sehen aus wie Kandelaber. Die Organ-Pipe-Kakteen  (Orgelpfeifen-Kakteen)  kommen wie ein Büschel aus dem Boden.

 

Die Blüte stammt von einem Okotillo (Bild 3). Der Okotillo oder besser Fouquieria ist keine Kaktusart sondern gehört zu den Heidekrautartigen.

 

Der Teddybear-Cholla-Kaktus  mit seinen Früchten sieht man auf Bild 4.

 

Bild 5 zeigt einen abgebrochenen Saguaro-Kaktus. Hier sieht man die innere Struktur des Kaktus.

Auch Bild 6 veranschaulicht das Gerüst eines abgestorbenen Cholla-Kaktus. Es fühlt sich wie Holz an.

Die Namen der Kakteen sind hier meistens in spanisch. Viele der Kakteen kommen vornehmlich in Mexiko und in Südarizona vor. Hier eine kurze Erläuterung zur Aussprache:

 

Saguaro             [sa-uaro]

Cholla                [tscho-ja]

Okotillo             [oko-tijo]


Thanksgiving in Tucson         24.11.2016

Wir wurden von unserer Wanderbekannten Deborah, die wir in Sedona kennen gelernt hatten, zum Thanksgiving-Mahl (Erntedankfest) zu Hause eingeladen! Leider habe ich nur Bilder von der Außenanlage von Deborahs Zuhause, was im Pueblo-Stil gebaut ist.

Sieben Stunden lang haben wir bei Schummerlicht gegessen, geredet, diskutiert. Deborah hatte Truthahn in brauner Soße mit Wildreis gemacht. Dazu gab es Granatapfel-Ananas-Orangen-Mix und Spinatgemüse. Es ist Sitte in Arizona, dass man dazu selbst gemachtes, warmes Maisbrot reicht. Alles in allem sehr lecker...

Das Haus von Deborah liegt außerhalb der Stadtgrenze von Tucson an einer nicht geteerten Straße in der Wüste. Sie hat recht viel Arbeit mit ihrem Haus und Grundstück. Das Dachgebälk ist von Termiten heimgesucht worden und sie saniert nach und nach die Balken. Sie ist sehr fachkundig, hat sie doch mit ihrem Mann lange Jahre in der Baubranche gearbeitet.

Auch sonst ist das Thema Natur und wilde Tiere bei ihr akut. Beim Umzug ist sie in ihrem Haus auf eine Klapperschlange gestoßen. Zur Schlangenabwehr hat sie hochgebogenen Draht am Hauseingang angebracht. Die Kojotenpopulation in der Umgebung hat sich sehr vermehrt. Wir waren selbst erstaunt, wo denn der "Hundekot" auf ihrem Grundstück herkommt, bis wir aufgeklärt worden sind, dass es sich um Kojotenkot handelt. Die haben wir dann bei unserer Übernachtung im Nugget auf ihrem Grundstück auch gehört.

Desgleichen sind Luchse recht weit verbreitet. Puma gibt es in den Bergen um Tucson, doch Deborah hat bei sich noch keinen entdeckt. Ein völlig anderes Leben in Auseinandersetzung mit Mutter Natur!

Es war bis auf das Kojotengeheule wunderschön ruhig in der Nacht...

 


Im Sabino Canyon      25.11.2016

 

Das Gute an Tucson (ca. 500.000 Einwohner) ist, dass wir uns da schon ein bisschen auskennen. Vor sechs Jahren haben wir zum ersten Mal diese Region entdeckt und wir wissen, wo es sich ausgezeichnet laufen lässt: Im Sabino-Canyon! Der Phoneline-Weg, der auf 150 m Höhe über der Talsohle dem Canyonverlauf folgt, ist für uns eine reizvolle Strecke. Ein Auf und Ab über Stock und Stein - das ist es, was wir brauchen. Lediglich in der Joggingzeit haben wir uns etwas verschätzt. Gut, wir sind auch ein gutes Stück langsamer geworden. Aber wir brauchten zu der Runde glatte zwei Stunden und das haben unsere Beinmukkis dann auch gemerkt.

 

Auf dem Phoneline-Weg joggten wir in den Canyon hinein und machten dann am Ende kehrt, um zur Canyonstraße, auf der ein Shuttlebus fährt, hinunterzurennen. Auf Asphaltstraße ging es dann zurück zum Parkeingang.

 

Ich befand mich ca. 1 km vor dem Ende in einem Jogging-Tran, als ich plötzlich eine schnelle Bewegung auf der Straße sah. Eine ca. 1 m lange Schlange wand sich blitzschnell quer über die Sabino-Straße und das direkt vor meinen Füßen. Ich konnte gerade noch hochspringen, um nicht auf die Schlange zu treten. Alles lief blitzschnell und automatisch ab. Die Schlange war inzwischen im Gebüsch verschwunden. Ich hinterher. Das lange Vieh wollte ich dann doch sehen. Mir war klar, dass es sich eigentlich nur um eine Garder-Snake handeln konnte. Völlig ungefährlich. So war es dann auch. Durch mich verfolgt, suchte sie das Weite und kroch aus dem Gebüsch. Die Photos sind zwar nicht so scharf, aber man kann in etwa die Länge der Schlange erkennen.

 


Geburtstagswanderung mit Deborah     26.11.2016

Hans hat heute Geburtstag. Wir lassen es gemütlich angehen. Erst einmal ist ein Geburtstagsfrühstück angesagt. Dann kommt das Telefonieren mit den Lieben zu Hause dran. Wir holen schöne Brötchen und fahren dann zu Deborah in die Calle Linda Vista.

 

In Abstimmung mit ihr belegt Hans die Brötchen mit geräuchertem Schinken. Dazu kommen Tomaten und Zitronenkuchen zur Krönung unseres Picknicks. Deborah möchte die Tanque-Verde-Ridge mit uns hochgehen. Ausgangspunkt ist der Saguaro Nationalpark. Dieser Wanderweg scheint sehr populär zu sein, denn es kommen uns einige Wanderer auf unserer Tour entgegen.

 

Uns macht es Spaß, etwas Neues über die Wüstenpflanzen zu lernen. Deborah weiß sehr viel über die lokale Botanik. Viele Pflanzen hat sie in ihrem eigenen Garten. Wir kennen nun den Mesquite-Baum mit seinen zarten Blättern und den Paloverde-Baum, der eine hellgrüne Rinde hat. Zweites Gesprächsfeld sind medizinische Themen und auch da hat Deborah einen ordentlichen Wissensschatz, obwohl sie beruflich eher im Designbereich unterwegs war und ihrem Mann, der ein Generalunternehmer und Hausdesigner ist, zur Hand ging und viel für ihn zeichnete.

Wir suchen eine Picknickstelle auf Slickrock-Felsen und holen unsere Proviantschätze heraus. Die Sicht auf die Stadt und die sie umgebenden Berge ist bombastisch. Auf der rechten Seite, im Nordosten, liegen die Santa Catalina Berge. Zur Linken, im Osten, erstrecken sich die Tucson-Berge in Nord-Süd-Richtung. Und wir selber sind im Rincon-Massiv unterwegs. Nach längerer Pause geht es weiter.

 

Wir waren so angeregt im Gespräch, dass die Zeit im Nu verging und wir schon an unserem Endpunkt, dem Tanque-Verde-Höhenrücken angekommen waren. Gut 500 Höhenmeter sind wir gemütlich hochgewandert und haben dazu insgesamt 3 Stunden gebraucht. Die Sonne hat uns heute verschont. Ein kühlerer Wind kündigt ein herankommendes Wettertief an. 

 

Die Zeit ist schon fortgeschritten und wir wollen noch bei Helligkeit am Auto sein. Daher geht es gleich wieder bergab. Gegen halb sechs sind wir am Auto und fahren im Sonnenuntergang zum Haus von Deborah zurück. Wir sind alle locker drauf, Deborah hat zum Schluss der Wanderung sogar gesungen. Nebenbei haben wir viel frische Luft aufgeschnappt. Nach einem herzlichen Abschied von Deborah fahren Hans und ich zu unserem Übernachtungsstandort. Ein bisschen alleine feiern müssen wir noch: Wir genehmigen uns bei der Fast-Food-Kette Burgerking ein größeres Burger-Mahl, schauen alle Glückwunsch-Nachrichen an und laden nebenbei die Fotos des Tages auf den Computer....

 

 


Der Wilde Westen in Tombstone  oder Heute reitet man auf einer Harley     27.11.2016

Tombstone, eine Stadt, die im späten 19. Jahrhundert 15.000 Einwohner hatte, war besonders bekannt durch eine reiche Silbermine, die viele Abenteurer anzog, die es hier durch Kauf von Minenanteilen zu Reichtum bringen wollten. Die Silberlagerstätte wurde von Ed Schieffelin entdeckt, der auch die Stadt gründete.

Heute lebt der Ort mit einem Zehntel seiner damaligen Einwohner vor allem vom Tourismus. Besonders die "Schießerei im O.K. Corral" zwischen Westernlegende Wyatt Earp, seinen Brüdern, Revolverheld Doc Holliday und den Familien der Clantons und McLaurys wird heute in der Stadt touristisch vermarktet. Zu diesem Ereignis gibt es einige Wildwestfilme. 1994 entstand eine Filmproduktion u. a. mit Kevin Costner unter dem Titel "Wyatt Earp - Das Leben einer Legende".

Bei der Schießerei, die einer lange währenden Eskalation in der Beziehung zu den Clantons folgte, kamen zwei Mc Laury-Brüder  und Billy Clanton ums Leben. Die Clantons wurden als Pferdediebe und Viehschmuggler angesehen. Man nannte sie Cowboys, was damals keine Auszeichnung war, sondern eher Gesetzeslose bezeichnete. Die Schießerei zog dann noch jahrelange Folgen mit sich. Denn Ike Clanton, der unverletzt entkommen war, hat Anklage gegen die Earps gestellt und es kam zu mehreren Gerichtsverfahren, die aber Entlastung brachten. Dennoch blieb die Berichterstattung über die Schießerei und die Meinung der Städter zweigeteilt. Die Earps waren zwar reiche Bürger mit Minenanteilen, hatten aber auch Verbindungen zum Rotlichtmilieu und ihre Vergangenheit war auch nicht unbescholten.

 

Dies kurz als Hintergrund und Erklärung der touristischen Ausschlachtung der Schießerei am 26. Oktober 1881. Natürlich wurde dadurch unsere Wildwest-Phantasie angeregt, während wir durch die Stadt bummelten. Als wir dann aber in der Tourist-Info erfuhren, dass die heutigen  Darstellungen nicht so ganz der Historie entsprachen, kühlte dies unsere romantischen Vorstellungen etwas ab. Letztendlich beschlossen wir uns nicht die Nachstellung der Schießerei anzuschauen.

Was mich mehr berührte, waren die recht authentischen Figuren, die hier beschäftigt waren und die mir das Gefühl gaben, mal eben 135 Jahre früher zu leben. Da war der Mitarbeiter in der Tourist-Info, der sich gerne mit mir ablichten ließ. Oder als Cowboy Verkleidete, die zu Schießerei-Darstellungen einluden. Bei einigen menschlichen Schauspielern hatte man wirklich den Eindruck - ups, da ist die Zeit stehen geblieben. Selbst die Polizei kommt beritten durch den Ort.

 

Die Besucher und darunter eine Reihe Motorbikefahrer boten den Kontrast dazu und holten mich wieder in die Gegenwart zurück. Das Donnern der Harleys und die vor dem Saloon aufgereihten blitzblanken Maschinen passten nicht. Aber wenn ich die dickbäuchigen Harley-Fahrer in ihren Lederjacken dann nebeneinander gehend auf dem Gehsteig antraf und ich mich fragte, ob sie mir denn Platz machen würden - ja dann, kam mir das Bild von Cowboy-Schurken wieder in den Kopf, die den Sheriff auf dem Gehsteig provozieren wollten.  Na ja, ziemlich übertrieben von mir, möchte ich doch die Harley-Fahrer nicht pauschal als Schurken bezeichnen. Da passt eher der Ausdruck "raumeinnehmend".

Eines haben aber die Cowboys, sprich eher die Cattlemen (Viehhüter) von damals und die heutigen Harley-Fahrer gemeinsam: den Drang nach Freiheit. Ob auf dem Pferderücken oder auf einer Maschine. Allerdings war der Job eines Viehhüters früher eine harte Arbeit. Aber der Cowboy war in der freien Natur tätig und wenn es ihm nicht passte, dann heuerte er eben auf einer anderen Ranch an. Harley-Fahrer sind die "Ritter der Landstraße". Die Maschine ist ein Symbol für Freiheit. Man ist an nichts gebunden, setzt sich auf seine Maschine und braust irgendwo hin. Und muss noch nicht einmal strampeln... Typisch amerikanisch.

 

Bisbee - Königin der Kupferminen       27.11.2016

 

Wieder passieren wir eine Straßenkontrolle, bei der wir unseren Ausweis vorzeigen müssen. Die Nähe zu Mexiko ist deutlich sichtbar. Wir wollen uns Bisbee anschauen, das von Deborah als "funky" beschrieben worden ist. Also ein bisschen verrückt oder irre. Bisbee war zu seiner Blütezeit eine Stadt der Minenarbeiter und hatte viele Saloons, Hotels und Bordelle. Es gab in Bisbee drei Tagebaue mit reichem Gehalt an Kupfer, Gold und Silber. Nach der letzten Minenschließung 1975 begann der Niedergang, die Boden- und Immobilienpreise sanken und es kamen Hippies in die Stadt. Heute gibt es dort eine Mischansiedlung von Galerien, Shops der alternativen Szene und Läden mit Tourismusartikeln.

Es war schon später Nachmittag, als wir in Bisbee eintrafen. Wir besuchten zuerst die Ausstellung des Besucherbergwerkes Queen Mine. Draußen war es kalt und man hatte ein Kaminfeuer angezündet. Bei Schummerlicht schauten wir uns die Vitrinen an, in denen Mineralien aus der Umgebung aber auch aus der ganzen Welt ausgestellt waren. Ein "historischer" Film aus den 60er Jahren zeigte die Kupfergewinnung. Der Rundgang im Eingangsgebäude der Queen Mine hat sich gelohnt und wir waren dann wieder so weit aufgewärmt, dass wir für eine Stadtbegehung bereit waren.

Bisbee selber hat uns nicht so zugesagt. So ein bisschen Hippieatmosphäre ist noch vorhanden. Da gab es Murals, Wandbemalungen. Hausruinen sind dadurch verschönert worden. Vermutlich Ex-Hippies lungerten dort herum und rauchten ihren Stoff. An der Hauptstraße reihte sich Laden an Laden. Aber irgendwie war uns nicht zumute, in die Shops hineinzugehen. Uns war einfach nur kalt und wir freuten uns, im warmen Auto wieder zurück nach Tucson zu tuckern.


Abendgang im Sabino Canyon      29.11.2016

Nach einem Tag mit Haushaltspflichten erfüllen (auf dem Hauptpostamt nach Lieferung schauen, Waschen, Womo aufräumen) waren wir abends noch im Sabino-Canyon, um unsere Füße noch etwas zu bewegen. Komisch – je dunkler es wird, umso unheimlicher ist mir in dieser ungewohnten Wüstenumgebung zumute. Das Schild mit dem Puma ist aber etwas zu US-hysterisch. Klar, wird es Pumas in den Bergen geben. Aber es wäre schon eine höchst seltene Gegebenheit, auf so eine Katze zu stoßen. Was wir gelesen haben: Bei Pumas hilft anscheinend Totstellen überhaupt nichts, da es die Großkatze auf ihren Fang abgesehen hat und es daran setzt diesen auch zu bekommen.

 

Was wohl eher anzutreffen ist, sind Luchse, die amerikanischen Bobcats. Deborah aus Tucson war so lieb und hat mir zwei Schnappschüsse durch die Fenster ihres Hauses geschickt. Einmal sind man die Luchse auf ihrer Hausmauer. Das zweite Bild ist von einem Jungen mit Mutter auf der Terrasse. Sie hatten es sich zuvor auf dem Stuhl bequem gemacht.

 

 

Auf unserer Rückkehr zum Parkplatz wurde es dann zunehmend dunkler und die Westernkakteen zeichneten sich gut vom Abendhimmel ab.

 


Auf den Wasson Peak im Saguaro West Nationalpark  (Tucson)      30.11.2016

Im Saguaro-Ost Nationalpark waren wir schon mit Deborah gewesen. Der Vollständigkeit halber wollten wir nun auch im Westteil eine Tour machen und entschieden uns für den Wasson-Gipfel.

Im Sommer wäre das eine absolut heiße Tour, da der Wanderweg 500 Höhenmeter nach oben unbeschattet zwischen Kakteenhängen verläuft. Die Wegführung entlang von Bergkämmen gefiel uns sehr. Nach Osten war der Blick frei auf die sich ausbreitende Stadt von Tucson. Selbst unseren heiß geliebten Sabino Canyon (siehe Pfeil), den wir nun schon dreimal bejoggt haben, war auszumachen. Das letzte Bild zeigt den Panoramablick nach Osten hinunter auf Tucson.

 

Wir haben sogar eine kaktusfreie Stelle entdeckt, um uns ein Mittagsnickerchen zu gönnen. Dabei habe ich festgestellt, dass die Mittagssonne doch noch ganz schön stark herunterbrennt. Ein bisschen zu wenig getrunken und schon hat sich der obligatorische Kopfschmerz, erstes Anzeichen für zu wenig Flüssigkeitszufuhr, bei mir eingestellt. Abends war das nach einem kühlen alkoholfreien Bier wieder im Lot. Also nächstes Mal trotz Wintersonne etwas mehr Sonnenschutz und Wasserzufuhr, meine Liebe....

 

Strecke: ca. 10 km, 500 Hm. Zeit: 4,5 h

So, das war's für den November. Es geht weiter mit dem Dezember unter neuem Button.