Und es geht weiter....

Wie im Vormonat seht ihr unseren aktuellen Standort auf der Google-Maps Karte. Der letzte Tag ist der 30.06.

 

30.06.2016

Wir sind in Dawson City und verbringen abwechslungsreiche Tage.

Am Abend des 1.7. haben wir es noch gepackt und sind dank der Mitternachtssonne ca. 90 kam auf der ungeteerten Straße des Top of the World Highway nach Norden gefahren. Unendliche Weiten und Wälder waren zu sehen. Am nächsten Tag waren wir dann in Fairbanks.


Glacer Nationalpark - Grinell-Lake Tour ... 3.06.2016

Eine besondere Tour im Glacier Nationalpark ist die Grinnell Lake Tour - zumindest ist National Geographic der Ansicht und hat sie als eine der Top 10 bezeichnet. Also habe ich gedrängelt und wir haben uns bei den Rangern erkundigt. Wir bekamen die Auskunft, dass derzeit noch so viel Schnee liegt, dass nicht die komplette Strecke von ca. 16 km zu machen ist, sondern man vor dem letzten 150 m-Anstieg wieder umkehren muss. Wir beschlossen aber trotzdem, dass wir einfach so weit hochwandern wie möglich und dann noch eine Anschlussrunde um einen der unteren Seen zu machen.

Nachdem es am Vortag noch wie aus Kübeln geregnet hatte, war schon frühmorgens Sonnenschein und wir machten uns auf den Weg. Wir erlebten einen blumenreichen Wanderweg in völliger Ruhe und Abgeschiedenheit. Einige der Frühjahrs-Bergblumen habe ich unten als Photo eingestellt. Der Blick auf den Grinnell-Lake von oben war reizvoll. Es war zwar schade, dass wir zuletzt auf der oberen Kante des ersten Schneefeldes wieder umkehren mussten, weil wir keinen weiteren Trail mehr erkennen konnten. Entschädigt wurden wir aber durch die erholsame Ruhe und die Ausblicke.


Wieder in Kanada....

Vom Glacier Nationalpark/ Eingang Many Glacier  kann man direkt weiterfahren und kommt nach 30 km an die kanadische Grenze. Danach beginnt auch schon der kanadische Nationalpark Waterton Lakes. Dieser kleine Grenzübergang ist nur im Sommer offen. Uns wurde aber versichert, dass wir ihn jetzt bereits passieren können. Diesmal hatte sich Hans genau erkundigt und auch eine Broschüre über die Einfuhrbestimmungen besorgt. Ca. 20 km vor der Grenze gab ich ihm nochmals einen Überblick über die noch vorhandenen frischen Lebensmittel. Ok, die offene Bacon-Packung war schon am morgen vertilgt worden. Dann gab es da noch Orangen und Banane sowie Romana-Salat und Gemüsezwiebel. Das Obst verdrückten wir gleich, der Salat wurde ganz hinten bei meinem Schlafplatz versteckt. Die Gemüsezwiebel blieb im Kühlschrank. Irgendwas mussten sie ja finden.

Wir kamen dann an den Zoll. Die Schilder wiesen uns daraufhin, dass wir beim Stopp-Schild halten sollten und auf Anweisungen warten sollten. Brav und obrigkeitshörig, wie ich eben nun mal bin, ließ ich den Ford beim Stoppschild stehen und stellte den Motor aus. Nichts tat sich. Plötzlich wurde ein Arm aus dem Zöllnerhäuschen herausgestreckt und dieser ruderte wie wild, um mir zu zeigen, dass ich heranfahren soll.

Ein älterer kanadischer Zollbeamter bekam unsere Reisepässe, die gescannt wurden. Dann kam wieder die bekannte Frage nach der Länge des Aufenthaltes in Kanada. Wir faselten was von 3 Monate in Kanada bleiben, ggf. nach Alaska fahren. Da sah er, dass wir aus Deutschland kamen und plötzlich hörten wir deutsche Gesprächsbrocken. Er war in den 70er Jahren in Baden-Baden stationiert gewesen, worauf ich ihm gleich erwiderte, dass wir aus dem Schwarzwald kommen. Oh ja, dann kam das Wort Kuckuck-Clocks und andere Erinnerungen  an eine Schwarzwaldtour wurden uns auf englisch berichtet. Ja, und außerdem seien unsere Pässe in Ordnung und wir könnten weiterfahren....

Wow, das ist Kanada! Was sind die doch relaxt!


Waterton Lakes Nationalpark ..... 4.06. - 5.06.2016

Die Erinnerungen an 2010 wurden wieder wach bei der Einfahrt zum Waterton Lakes Nationalpark. Für 136 kanadische Dollar (umgerechnet ca. 92 Euro) haben wir einen Jahrespass für alle kanadischen Nationalparks erhalten. Künstlerpech. Es ist Freitag und nicht nur wir haben die Idee nach Waterton zu fahren. Der Campingplatz war voll belegt und wir bekamen einen der letzten Stellplätze für Standby-Reisende.  Kurz entschlossen haben wir gleich noch eine zweite Nacht bezahlt, denn - neben einem schönen Standort mit Seezugang winkten noch Duschen!

Der Restabend wurde mit Einleben bzw. Kochen und Einkauf zugebracht. Während Hans sich damit beschäftigte, sich Rührei mit Speck zu machen, hatte mich das gar nicht gelockt. Ich machte mich in den kleinen Ort Waterton auf, um Brot aufzutreiben. Gerade mal 88 Einwohner-Seelen verzeichnet dieses kleine Nest. Da kommt es so gut wie immer zu einem Touristenüberhang . Ich habe einen General Store aufgetrieben (zu dt. Gemischtwarenladen), der noch abgepacktes Brot hatte. Nach frisch gebackenen Brot darf man weder in den USA noch in Kanada fragen. Das gehört in einen Deli-Laden. Baguette ist eher mal ein Einkaufstreffer. Ansonsten wird man mit Weißbrot für Gebissträger verwöhnt....

Nachdem ich also unser Frühstück für den nächsten Tag gerettet hatte, bestellte ich mir nebenan bei Subway einen netten Leckerbissen. Abgerundet wurde das Ganze mit einem Eis beim Eisshop einen Laden weiter. Dort blieb ich dann hängen. Als der junge Eisshop-Besitzer erfuhr, dass ich aus Deutschland kam, erzählte er vom Deutschland-Schweiz-Trip im vergangenen Jahr. Ach ja, seine Frau lernt zurzeit die deutsche Sprache. Und prompt stand diese in der Tür, denn sie hatte es von ihrem Coffee-Shop eine Tür weiter nicht weit. Dort war dann mein letzter Standort und neben einem Gespräch in halb deutsch/halb englisch beschäftigte ich mich mit meinem Schokoladeneis.

Am ersten Tag gab es eine Wiederholungstour (im Vergleich zu 2010). Wir sind zum Red Rock Canyon gefahren. Das sind so 20 km auf einer geteerten Straße, die an einem netten kleinen Tal mit rotem Gestein endet. Dann führt der Snowshoe-Trail (Schneeschuhtrail), der halb Forstweg, halb Wanderweg ist, weiter. Dieser ist für Bikes gestattet. Viel will ich darüber nicht berichten, denn für mich war dieser Trail eine kleine Strapaze. Es war nicht mein Tag und ich quälte mich die kleinen Anstiege hinauf. Am Ende landeten wir auf einer Waldlichtung, wo ich erst einmal eine halbe Stunde Ruhe brauchte. Es war der Tag der Müsli- und Früchteriegel. Irgendwann war ich dann wieder erfrischt und der Rückweg führte dann eh nur bergab.

Bei mir war der Tag dann schon abgeschrieben  als reine Trainingstour, wenn nicht noch zwei Ereignisse kamen, die eine Wendung brachten.

Ereignis Nr. 1:

Wir saßen zum Ende der Red Rock Straße auf einer Erhöhung ca. 50 m zur Parkstraße, als Hans plötzlich rief: Da unten ist ein Schwarzbär! Der Kerl durchstreifte ein Gründreieck, dass an drei Seiten von Straßen umgeben war. Von unserem Standort sahen wir, wie er die Wiesen durchstriff und scheinbar ungerührt dicke Grasbüschel ausriss und vernaschte. Dann wollte er über die Straße, bemerkte jedoch plötzlich seine Situation, in diesem Straßendreieck eingekreist zu sein und fühlte sich in die Enge getrieben. Mittlerweile standen zusätzlich einige PkWs und Wohnmobile auf der Straße zum Red Rock Canyon, deren Insassen  den ausgewachsenen Schwarzbären beobachteten. Zuerst wanderte der Bär in Richtung des vielbefahrenen Zugangsstraße nach Waterton ab, bevor er dann plötzlich in die Gegenrichtung stürmte. Gott sei Dank war ihm eine Lücke auf der Red Rock Straße offen gelassen worden und er konnte diesen Durchschlupf nutzen und rannte dort über die Straße.

Wir sind später noch an einem Picknickplatz in der Nähe baden gegangen und dort haben wir den Kerl am Fluss wieder entdeckt. Dies hat uns gezeigt, dass der Tierwelt selbst in Naturparks der Lebensraum beschnitten ist. Jeder freut sich, einen Bären zu entdecken, andererseits kollidiert aber auch unser Aktionsraum mit dem der Wildtiere und führt zu Störungen.

Ereignis Nr. 2:

Bei der Fahrt nach Waterton sahen wir einen kleinen, ca. 1,5 m großen Schwarzbären, der einen Hang direkt an der Straße abgraste. Parallel zu ihm bin ich auf dem gegenüberliegenden Radweg geradelt und habe ein Foto gemacht. In dem Moment rennt der Kerl über die Straße direkt auf mich zu. Ich bremse zuerst, schaue ihn an und fahre dann schnell weiter, um ihm den Weg frei zu machen. Hans ist hinter mir und hat gebremst. Ruhig spricht er ihn an. Der Kerl stutzt, bleibt stehen, blickt Hans an und schwups -verschwindet er im Gebüsch des Abhangs. Dieser Bär erschien schon recht zahm, zumindest an den Menschen gewöhnt. Es wäre uns lieber gewesen, wenn der kleine Kerl sich als scheu erwiesen hätte und ein natürliches Fluchtverhalten an den Tag gelegt hätte.


Adieu Waterton

In den zwei Tagen unseres Aufenthaltes im Waterton Lakes Nationalpark haben wir diesen Standort so richtig lieb gewonnen. Trotz des Zustromes an Wochenendurlaubern war es sowohl auf dem Campingplatz wie auch im Ort selbst angenehm ruhig. Der Großteil der Urlauber bestand aus Kanadiern, die sich rücksichtsvoll, ruhig und sehr entspannt zeigten. Die Nähe zum See mit Bademöglichkeit, der Anblick der Berg- und Seenwelt und die tollen Wandermöglichkeiten sorgten für gute Laune. Zudem hatten wir die Gelegenheit, mal wieder alles auf Vordermann zu bringen, was eben bei einem solchen Wohnmobil-Wander-Leben anliegt. Wäsche waschen, Auto reinigen, Trinkwasser auffüllen und ausgiebig das Duschen genießen. Relaxt sagten wir am 5.06. "Tschüss".

 

Unten seht ihr einige unserer Haustiere. Die Weißwedelhirsche (white tail deer) kamen auf den Campingplatz, um zu grasen. Sie sind bei den Bewohnern vermutlich nicht so beliebt, da sie unter anderem auch Hunde attackieren, um sich zu verteidigen (s. auch Foto mit Schild). Manchmal muss man schon genau hinsehen, ob es sich beim Anblick der Tiere um künstliche oder lebende Vorgarten-Tiere handelt...

Die Prairiehunde auf dem Campingplatz machten mit ihrem Alarmgepfeife mehr Lärm als die Campingplatzbewohner selbst. KORREKTUR: Wir wurden darüber aufgeklärt, dass es sich um sogenannte "ground squirrel" handelt. Übersetzt sind das wohl Ziesel. Putzige Tierchen, aber sie sind leider sehr zahlreich und buddeln überall ihre Löcher, so dass man aufpassen muss, dass man nicht in eines der Löcher tritt.

 

Oben rechts seht ihr die Locker (Schließschränke) für die Lebensmittel. Das ist für die Zeltcamper wichtig, denn die Schwarzbären kommen unter Umständen bis auf den Campingplatz oder in den Ort Waterton. Wer ein Wohnmobil dabei hat, hat da weniger Probleme, solange alles im Wagen verstaut ist.
Von meinem Eisverkäufer wurde berichtet, dass ein Schwarzbär einmal in seinen Laden tapste, er nicht anwesend war und der Kerl sich über das Eis hermachte.


Walmart-Geschichten    Pincher Creek, Alberta (6.06.16)

Die amerikanische Supermarktkette Walmart hat vielfältige Bedeutung für uns Wohnmobilisten. Sie bedeutet nicht nur Einkaufsmöglichkeiten von Lebensmitteln bis zu Camping-/Freizeitartikeln und Autozubehör.

Für Hans ist Walmart der Garant für ein schnelles Mittagessen. Ob gebratenes Hähnchen oder frisch gebackene Pizza. Walmart hat es. Ich habe ihm zwar ein „Gockel-Gelübde“ abverlangt, was besagt, dass maximal ein solches Federvieh pro Woche verspeist werden sollte, da es uns sonst nach einigen Wochen buchstäblich zum Hals heraushängt. Aber trickreich versucht der Göttergatte dies immer wieder zu umgehen. Es gibt ja schließlich auch die Variante, die Hähnchenbrust über einen grünen Salat zu schnippeln.

 

 

Ja, Walmart bietet heutzutage an manchen Standorten sogar kostenlosen Wifi-Standort. Das Service-Team von Walmart ist nett und sucht uns auch schon mal den Standort für eine Münzwäscherei heraus. Dadurch, dass die Supermärkte meist einen Mc Donalds oder einen Subway als Schnellrestaurant haben, gibt es ohnehin immer eine Möglichkeit, ins Internet zu kommen.

 

 

Die größte Bedeutung liegt aber in dem Angebot von Walmart, auf den Großparkplätzen kostenlos zu übernachten. Lediglich manche Städte haben im Stadtrat eine Regelung getroffen, dies zu beschneiden. Walmart selbst legt in eigenem Interesse aber Wert darauf, diesen Service anzubieten. Das wurde uns von so manchem Walmart-Management auf Nachfrage versichert.
Und so sieht man dann unterschiedlichste Urlaubsvehikel vom großen RV (recreation vehicle = Wohnmobil) in Busform, bis zum überlangen Wohnanhänger oder solch einem Pipi-Wohnmobil wie unseren Ford Nugget.

 

 

Im Walmart in Pincher Creek fiel uns der im Vergleich zu anderen Standorten relativ große Anteil an Beschäftigten und Kunden indianischer Abstammung auf. In Höhe des Glacier NP in Montana/USA sowie beim Waterton NP befinden sich Reservate der Blackfoot Indianer.

 


Einiges über die Blackfoot-Stämme

Hier ist ein Beitrag über das heutige Leben dieser Indianerstämme in Arbeit. Dazu muss aber noch weitere Recherche betrieben werden.

 

Die Blackfoot-Indianer haben heute in Bereich von Nord-Montana in Höhe des Glacier Nationalparks ein größeres Reservat mit dem Hauptort Browning. Daran schließt sich in Alberta ein kleines kanadisches Reservat der Blackfoot an.

Zuerst einige Infos über die Historie der Blackfoot-Stämme in Kurzfassung:

 

Die Blackfoot Indianer sind sogenannte Great Plain-Indianer, also Ureinwohner der großen Prairie. Unter dem Namen Blackfoot werden verschiedene Stämme zusammengefasst. Der Name Blackfeet („Schwarze Füße“) kommt von den schwarz gefärbten Mokassins der Indianer, die sie damals trugen. Sie werden als sehr wehrfähig beschrieben und haben feindliche Stämme wie die Assiboine, Shoeshone und andere in verschiedenen Verdrängungskämpfen in Richtung der Rocky Mountains vertrieben. Wie andere Indianerstämme auch waren sie Nomaden, die den Büffelherden hinterherzogen und diese für den Selbstverzehr bejagten.

 

Als die Pelzjäger und –händler Mitte des 18. Jahrhunderts in das Gebiet der Blackfoot kamen, entstanden erste Handelsbeziehungen zu den Weißen und ihren Handelsniederlassungen (z. B. Hudson Bay Trading Co.). Dies brachte den Natives oder First Nations (Ureinwohner), wie sie auf Englisch genannt werden, unter anderem Gewehre im Warentausch ein. Die Weißen schleppten aber auch fremde Infektionskrankheiten ein, denen viele Indianer zum Opfer fielen.

 

Die zunehmende Jagd nach Büffeln entzog den Indianern immer mehr die Nahrungs- und Lebensgrundlage. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Büffel in den Jagdgebieten der Blackfoot ausgerottet. Eine Hungersnot kam. Der Staat führte eine Alimentierung ein, nutzte die Lebensmittelversorgung aber auch zur Erpressung, um die Indianer unter Kontrolle zu halten.

 

Hinzu kam das Problem, dass sich die weißen Siedler immer mehr im Westen breitmachten. 1855 gab es den ersten Vertrag mit US-Staatsvertretern, der den Blackfoot Landrechte zusicherte. Dieser Vertrag wurde in den nächsten Jahrzehnten mehrfach verändert, wobei es jedes Mal zu beträchtlichen Einbußen an Ländereien kam. Widerstand der Indianer wurde blutig niedergeschlagen.

  


Wieder auf dem Crowsnest-Pass .... 7.06.2016

So manche Erinnerung wurde wieder an 2010 wach, als wir schon einmal on Tour waren - damals noch komfortmäßig weitaus eingeschränkter in einem T2-VW-Multivan.

Nach einem Ruhetag in Pincher Creek mit Bibliotheks-Besuch und Lebensmitteleinkauf war uns klar: Der Crowsnest Mountain musste bei diesem stabilen Hoch dran glauben. Die vergangenen Tage hatten wir mittags immer Temperaturen um gut 30 Grad Celsius und postkartenblauen Himmel. So auch heute. 9:30 Uhr waren wir abmarschbereit. Zur Sicherheit haben wir die Steigeisen eingepackt, da bei dem 1.040 Hm-Aufstieg auch ein kleiner Canyon zu durchkraxeln war, der ggf. noch Altschnee- und Eisreste aufweisen konnte. Das Trailschild warnte unter anderem vor Killer Marmots (Killermurmeltiere), was uns zum Grinsen veranlasste. Konnten eigentlich nur Murmeltiere in XXL-Größe sein, die wir auch schon im Glacier NP gesehen hattenn. Da hatte sich der Schildermacher wohl einen Spaß erlaubt.

Durch schattiges Waldgebiet (Gott sei Dank!) ging es kurvenlos steil bergan. Als wir dann an ein Schotterfeld kamen, wurde die Routenfindung etwas schwieriger. Also liebe Europäer, wenn ein Kanadier einen Trail als difficult (schwierig) beschreibt,dann bedeutet das u. a. auch, dass die Wegfindung schwierig sein wird. Es ist also nicht nur ein Hinweis auf schwieriges Geh- und Steiggelände! Das zeigte sich im Verlauf der nächsten 2,5 Stunden immer wieder.

Dadurch, dass der Winter hier im kanadischen Winter sehr milde und schneearm war, gab es auch nur noch einige restliche Schneefelder, deren Überquerung keine Probleme bereitete, da der Schnee aufgefirnt war. Die Kraxelei durch den Canyon machte geradezu Spaß. Unterwegs sahen wir Schneeziegen (auch Bergziegen genannt), die an den Steilhängen grasten. Das war aber auch alles an wilden Tieren, was wir zu Gesicht bekamen. Im Bereich des Crowsnest Passes, des niedrigsten Passes über die Rocky Mountains, kommen viele Steinadler vor. Anscheinend haben sie sich an diesem Tag verkrochen.

Die Bilder zeigen ein paar Eindrück des gut 5 Stunden dauernden Hikes.


Etwas über die Wege in Fernie.... 9.06.2016

Wir sind (wieder) in Fernie. Die Umgebung ist im Sommer ein Mountainbike-Eldorado mit vielen Trails unterschiedlicher Schwierigkeiten. Im Winter wird es von den Skifahrern in Besitz genommen und bieten in höheren Lagen auch unberührte Pulverschneehänge an. Dazu werden die Skiabfahrer mit Pistenraupen auf die Berge transportiert (Cat-Skiing).

Wir wollten, wie schon vor 6 Jahren, unsere Bikes bei der Island Lake Lodge deponieren, um dann von einem der unteren Parkplätze durch alten Zedernwald zum Hotel hochzujoggen, dort im See zu baden, einen Burger in der Lodge zu verspeisen und gemütlich mit den Bikes wieder hinabzusausen. Wollten wir...

Wie wir dann in der Touristinfo erfuhren, macht die Lodge erst am kommenden Sonntag auf. Dafür ist aber die Straße bereits am 9.6. offen. Gut - Burger abgeschrieben, dafür Jogging nicht. Wir fuhren dann ein Stück die Straße hinauf. Zuerst gute Schotterstraße, dann kam eine neu präparierte Piste. Diese war mit einem Fahrzeug abgezogen worden, wobei hauptsächlich Erde an die Oberfläche kam. Und diese klebte wie Zement in unseren Radkästen. Nach gut einem Kilometer haben wir umgekehrt, um dann auf der Rückfahrt anzuhalten und am Straßenrand an die 5 kg Lehmzeugs mit einem Stock aus den Radkästen rauszupulen. Damit war die schöne Idee, die Bikes hochzubringen, auch gestorben.

 

Nachmittags waren wir dann am See in Fernie weiter damit beschäftigt, unser Mobil wieder auf Vordermann zu bringen. Damit uns der Lehm nicht vollends die Radkästen vollklebt, hantierten wir mit Seewasser und Besen und machten uns wieder straßenfit.

Bildereindrücke aus Fernie

Die "Three Sisters" im Hintergrund. Dieses Mal verkneifen wir uns das.

Am Abend durch die Innnenstadt schlendern...

Abends vom Parkplatz des Alpine Resort in Fernie aus. Danke an die örtliche Security, dass sie uns trotzdem übernachten ließen, obwohl es dort nicht so gern gesehen ist.

Es geht weiter mit der Erzählung - diesmal zu den Fernie-Trails. Statt Jogging durch alten Zedernbestand (Old Growth Trail) wählten wir nun eine Route entlang der Schotterpiste zum Island Lake (Railroad Trail) zum Training aus. Unser interner Kompass war aber an diesem Morgen "verstellt" und zeigte Richtung "Berge". Es fiel uns nach 2 Kilometern auf, dass wir uns immer mehr von der unbefestigten Straße entfernten, aber es gab keine Querpassage dorthin zurück. Also Augen zu und immer weiter auf dem Trail, der sich Lake Lizard Trail nannte, Richtung Westen den Bergkämmen zu.

Nun eine Erklärung voraus: In Fernie gibt es viele Sportenthusiasten. Mindestens vier Bikegeschäfte, dazu Sportläden mit Skate- und Snowboards im Angebot sind in der kleinen Innenstadt zu finden. Entsprechend ambitioniert sind viele der Wege angelegt. Was wir aber an diesem Morgen vorfanden, war dann doch einen Tuck zu viel. Eine halbe Stunde konnten wir den Weg rennen, dann stieg dieser aber so steil und geradewegs den Berg hoch führend an, dass nur noch ein schnelles Gehen möglich war, dass manchmal unter Zuhilfenahme von Händen erfolgen musste. Einzig und allein die eindeutigen Elchspuren auf dem aufgeweichten Weg ließen uns immer höher steigen. Nachdem wir besagten Elch aber nicht erspähen konnten, der See noch 100 Höhenmeter über uns lag und uns nach 500 Hm und guten 5 km bergan steigen auch langsam die Puste ausging, kehrten wir etwas enttäuscht um und joggten zurück. Wobei vielfach eine besondere Form der Bergab-Bewegung angewandt werden musste: Man joggt so weit gebremst wie möglich abwärts, um sich dann am nächsten Baum wieder abzufangen und dort zu stoppen. Dann kommt der nächste Abschnitt. Die verschiedenen Rutschspuren auf dem Weg erzählten ihre eigene Geschichte.

 

Über die kleinen körperlichen Wehwehchen hinterher möchte ich mich hier jetzt nicht weiter auslassen. Das gehört nicht in einen Travelblog....

 

Es ging durch uralten Zedernwald.

Unterwegs auf dem Icefield Parkway..... 10.06.2016

Wir sind in Golden/British Columbia angekommen. Was als nächstes?

Der Kicking Horse River ist im unteren interessanten Teil derzeit nicht mit Rafts zu befahren. Die Bahngesellschaft verweigert den Raftgesellschaften die Portage über einen Bahnübergang.

Die Berge um Lake Louise wie z. B. den Mount Temple (3.544 m) sind derzeit noch mit zu viel Schnee bedeckt und -

es regnet unaufhörlich.

Wir stehen am Lake Louise, machen die Heizung an (ca. 11 Grad Außentemp.) und lesen. Abends fahren wir dann auf dem Icefield Parkway Richtung Norden und verlassen den Park Richtung Rocky Mountain House auf der Highway 11 wieder, um zu übernachten.

Am nächsten Morgen erwarten uns frisch bezuckerte Berge und interessante Bilder auf dem Weg nach Jasper.

Die Athabasca-Wasserfälle haben wir uns etwas näher angesehen:

Totempfahl in Jasper, Ansicht vom Visitor-Centre aus.


Mückenlage

 

Bis jetzt sind wir von Mücken einigermaßen verschont geblieben. Den einen oder anderen seltenen Volltreffer konnten die Stechbiester zwar landen, aber das war’s dann auch schon.

 

In Golden, auf der Westseite der Rockys am Columbia-Fluß, waren wir innerlich schon gewappnet und beäugten vorsichtig die Umgebung des Fahrzeugs. Denn die Region von Golden ist Überschwemmungland des Columbia. Aber es regnete dort und war mit max. 10 Grad sehr kalt.

 

Im Mount Robson Provincial Park westl. von Jasper kam dann das Problem mit der Mückenbevölkerung. Zumindest für mich. Ich wurde als sogenannte „Moskitolampe“ geboren, denn ich ziehe die langbeinigen Mückenbiester geradezu an. Nein, es liegt nicht an meiner Körperhygiene, denn wir haben ja Frischwasser on board und Duschen ist spätestens alle paar Tage auf einem Campingplatz angesagt. Also keine falschen Verdächtigungen.

 

Um der Mückenschar und den blutigen Folgen Herr zu werden, hilft es nur, sich einige Handlungsweisen und Tricks anzueignen. Toiletten der Rastplätze sind mitunter ein beliebter Aufenthaltsort der blutrünstigen Saugviecher, das sollte man wissen. Also – Geschäft kurz halten oder vorher eindieseln.

 

Was mit „Eindieseln“ gemeint ist? Alle nackten Hautpartien mit Mückenschutzmittel einreiben oder – sprühen. Wobei wir echt auf lokale Marken wie OFF! DEEP WOODs  schwören und dann am besten mit mindestens 30 % DEET. DEET 30-prozentig ist der Wirkstoff und das wiederum ist ein etwas schwereres Geschütz im Kampf gegen die Saugerfeinde.

 

Wir haben jetzt von chemischen Waffen gesprochen. Das Ganze kann auch mechanisch geschehen und zwar in zweierlei Hinsicht: Bei Outdoor-Geschäften während Wanderungen ist ständiges Wedeln und Beine und Arme beobachten (oder was sonst noch unbedeckt ist) angebracht. Um Hysterie vorzubeugen – beim reinen Wandern nicht den Luftraum um sich herum beobachten. Nur darauf achten, dass man nicht unter ein bestimmtes Tempo (mind. 4 km/h) fällt, was den Mückenweibchen erlaubt, sich niederzulassen!
Dann gibt es sogenannte Fliegenklatschen, bei uns in dreifacher Form im Auto vorhanden:

 

Allerdings - im Fahrzeug wird es schon schwieriger, Stechaktionen zu vermeiden. Nr. 1: Den Fahrer in Ruhe lassen, möglichst keine Unterrichtung über unbekannte Flugobjekte, da der Fahrer sonst zu wildem Um-Sich-Schlagen neigen könnte. Stattdessen, sofern kein Fliegenfänger vorhanden, Hände nass machen und dann mit der Klatschmethode (etwas oberhalb des momentanen Mücken-Luft-Standortes) dem Biest den Luftweg abschneiden. Sofort verreiben, die Saugviecher entkommen sonst gleich wieder! Die Einhand-Fangmethode funktioniert auch, nur mit weniger Erfolgschance.

 

In einem Fahrzeug gibt es viele Mückenverstecke. Des Nachts werden die Blutsauger dann aktiv. Stechbiester kündigen sich an: Nahende Flugobjekte äußern sich durch lautes Surren, gerne in Kopfnähe. Nachts unbedingt Licht anschalten und dem Ruhestörer das Leben aushauchen! Sonst endet man mit einer dicken Backe wie vor Tagen geschehen.

Ach so, wer gestochen wurde, dem gebe ich "Birgit's Rat". Sie ist Schweden-erfahren und hat mir vor meiner Abreise zu einem Insekten-Stichheiler (auch Bite-Away genannt). Wendet man den Thermostift direkt nach dem Stich an, wird durch die Wärme verhindert, dass die Ausschüttung von körpereigenem Histamin weitergeht. Anscheinend hat die Wärme auch eine Auswirkung auf die durch das Insekt eingebrachten Stoffe wie z. B. Eiweiße. Auf jeden Fall empfehlenswert.

 Ich wünsche allen weiteren "Moskitoleuchten" auf Mutter Erde viel Jagderfolg!


Landschaftserlebnis am Berg Lake .....12.06.2016

Heute ist wieder Turntag. Als Gebiet zum Austoben haben wir uns den Mount Robson Provincial Park ausgesucht. Der Berg Lake Trail bietet auf 46 km phantastisches Landschaftserleben auf Normalwegen. Wir Oldies entscheiden uns für die Softvariante und fahren die ersten 9 km mit dem Bike an. Dann darf der Weg nur noch per pedes fortgesetzt werden.

 

Es ist Bergfrühling und eine schöne Blumenwelt erwartet uns. In Höhe des zweiten Campingplatzes sehen wir gelben Frauenschuh entlang des Weges. Später kommen Akeleien in schönen Rottönen hinzu. Drei übereinander liegende Wasserfälle kündigen sich mit donnerndem Tosen an. Der Emperor Falls ist am beeindruckendsten. Besonders jetzt, im Frühling führt der Robson River viel Wasser mit sich.

Kurze Zeit später sind wir bei ca. 1.600 m auf einem Hochplateau angelangt und sehen schon aus der Ferne zwei Gletscherfelder (Berg Gletscher und Nebel Gletscher), die vom Mount Robson herunterkalben. Der Berg Glacier sieht mit seinem strahlenden Weiß hübsch aus. Donnern und Krachen zeigt, dass der Gletscher in Bewegung ist. Und richtig, auf dem smaragdgrünen Berg Lake schwimmen kleinere Eisstücke, die durch den Eisbruch in den See gestürzt sind.

Den ganzen Weg nieselt es leicht. Nur bei unserer Ankunft am See blinzelt die Sonne durch und das Fotografenherz schlägt höher. Nach kurzer Pause geht es auf den Rückweg, der leichter zu bewältigen ist, geht es doch die 800 Hm wieder hinunter. Hans hält sich wacker und kämpft sich durch. Da er mich  bei meinen Fotostopps aber zum schnellen Weitergehen anhält, kann ich mir schon vorstellen, wie es ihm geht. Nach drei Stunden sind wir wieder bei den Rädern und lassen es runtersausen. Ob wir bei unserer Fahrt Richtung Norden in das Yukon Territory oder Alaska auch solche tollen Bergtouren entdecken werden?

 

 

 

Die Beschreibung des Berg Lake Trails. Wir sind am Visitor Centre mit den Rädern gestartet.

Mt. Robson von der S/SW-Seite aus (Ansicht vom Visitor Centre).


Kilometerfressen und Mückenterror ... 15.06.2016

Nun sind wir schon zwei Tage auf dem Weg durch den Staat British Columbia in Richtung Norden. Die Straße führt durch unzählige Wälder, an Seen vorbei. Hin und wieder sind die schneebedeckten Berge an der Pazifikküste erkennbar. Aber summa sumarum - wenig spektakulär und irgendwann eintönig. Das führt zu Schlafsequenzen im Auto, während der Andere fährt, um sich von dem ermüdenden Fahren auszuruhen. Denn es heißt gut aufzupassen. Schlaglöcher, Bodenwellen, Passagen, die nicht geteert sind und möglicherweise Wild auf der Straße sind einzukalkulierende Vorkommnisse. Immer wieder gibt es Abschnitte mit stürmischem Wind vor aufkommenden Regenfällen.

 

Nun zu den Mücken: Das Mückenaufkommen im Außenbereich hat nun deutlich zugenommen (so wie die Anzahl der Feuchtgebiete um uns herum auch). Aber leider auch im Innenbereich... Meine These stimmt: Trotz geschlossener Fenster kommen die Saugviecher herein. Wir entdecken am Dachfenster einen Spalt im Rahmen, vermuten aber noch andere Schlupflöcher.

Mittlerweile machen wir uns einen internen Wettkampf daraus, wer wie viele der Mückenbiester, die sehr sauggierig sind, erlegt hat. Wobei ich mit meiner Einhandfangmethode fast auf die gleiche Anzahl an erlegten Tieren komme wie Hans. Dafür schlage ich ihn in der B-Note um Längen. Es ist doch als eine künstlerisch ausgefeilte Variante anzusehen, die Jagdbeute mit einer schwungvollen Handbewegung im freien Flug zu erhaschen und dann gleich zu zermalmen. Der Fang wird dann sofort triumphierend gezeigt und man erhält einen Punkt! Also halb so schlimm, man muss die Sache nur sportlich nehmen.

 

Nachtsport möchte man nicht unbedingt betreiben. Letzte Nacht  haben wir uns mit Mückenschutzmittel (s. oben) eingerieben, da unkalkulierbar war, wie viele Sauger noch ins Auto nachkommen werden. Wir kümmern uns derzeit um ein Zustopfen der Fugen.

 


Joggen in Hazelton  14.062016

Sporttag - wir müssen uns heute unbedingt die Beine strapazieren, denn sonst geht unsere Form so langsam verloren.

Auf einen Rat in New Hazelton joggen wir entlang der Straße zu dem historischen Ortskern "Old Hazelton". Dabei geht es unter anderem auch über die Hängebrücke (s. unten) über den Skeene Fluss. Das alte Hazelton besuchen wir danach noch zu einer Fotostippvisite.

Ergebnis: MUSKELKATER und ein paar nette Fotos.


Der nächste Tag .... 15.06.2016

Heute Morgen sind wir von einem Übernachtungsplatz an der Highway 37 (Stewart Cassiar Highway, unsere Variante durch British Columbia) aufgebrochen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, ob Rastplätze oder einfach nur besandete, planierte Plätze seitlich der Straße. Dieser Highway wird hauptsächlich von Holzabfuhr-Lastern zum Abtransport in die Sägewerke benutzt. Riesige Holzlaster begegnen uns immer wieder.

Es war wieder einmal Schwarzbärentag. Bereits am frühen Morgen, noch bei Nebel, sichten wir die ersten Exemplare.
Mittlerweile gehört es für uns schon zum normalen Reiseerleben. Doch es ist immer wieder schön, die Tiere zu beobachten. Bleibt man in großer Entfernung mit dem Auto stehen, dann lässt sich Meister Petz auch nicht aus der Ruhe bringen und grast munter weiter oder trottet gemächlich über die Straße.

 

Elche – mein Wunschthema! Gestern haben wir per Zufall eine Elchkuh durch das Gebüsch an der Straße durchtraben sehen. Ein kurzer Moment, wahrscheinlich ein Glücksfall. So sehr ich auch die Teiche von der Straße aus abscanne, Elche scheinen sehr scheu zu sein und das Terrain an der Straße nur nachts aufzusuchen.

 

Da mich die sture Fahrerei etwas nervt, mache ich Hans launisch den Vorschlag, dass wir bei Sichtung und Foto von einem Elch und einem Grizzly das Ziel Alaska (Höhe Anchorage) fallen lassen und dann wieder gen Süden abbiegen. Bislang ist er aber darauf nicht eingegangen…

 

In der Besucher-Info erhalten wir Material und Vorschläge zu Wander- und Trailrunning-Möglichkeiten in der Umgebung von Whitehorse, der Hauptstadt von Yukon Territory. Die Aussichten heben die Laune etwas….

 

Das Besucherzentrum von Watson Lake ist von einem Schilderwald umgeben, der sich immer weiter vergrößert. Ist interessant, die Schilder aus aller Herren Welt zu betrachten.

WATSON LAKE liegt bei KM 635 des Alaska Highway, der in Dawson Creek beginnt. Wir sehen einen Film, der uns darüber orientiert, dass diese wichtige Straßenverbindung in Alaska 1942 in einem Jahr gebaut wurde. US-Präsident Roosevelt hatte nach dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour/Hawaii und Invasionen auf der Inselkette der Aleuten (westlich vor Alaska) den Plan, die militärische Präsenz in Alaska entsprechend zu realisieren. Der Bau des Highway, zuerst Schotterstraße, war also ein militärisches Projekt, was innerhalb eines Jahres unter Hochdruck und Zusammenarbeit mit den Kanadiern durchgeführt wurde.


Wir erreichen den Yukon River .... 16.06.2016

Am späten Vormittag erreichen wir den kleinen Ort Carcross an einem Straßenableger des Alaska Highway, der uns wegen der vielfältigen Freizeitmöglichkeiten empfohlen wurde.

Der Mini-Ort ist ein touristisches Ziel mit einem kleinen Fremdemverkehrszentrum aus sogenannten Langhäusern bestehend, in denen u. a. indianischer Schmuck und Schnitzereien zum Verkauf ausgestellt sind. In den Langhäusern lebten indianische Famiien. In der Mitte war eine Feuerstelle. An den Seiten befanden sich Schlafabteile. Vor jedem Haus stand ein Totempfahl - ein Sinnbild der sozialen Stellung der Familie innerhalb der Stammesstruktur. Die Bilder auf den Totempfählen bestanden meist aus Tierformen oder Tierköpfen - so vom Bär, dem Schwertwal oder vom Raben. Der Totempfahl hat also nichts mit dem Marterpfahl zu tun! Unten seht ihr Langhäuser. Diese haben wir in Old Hazelton aufgenommen.

 

 

Die Umgebung des kleinen Ort Carcross  bietet viele Bergwanderwege und ein ausgebautes Mountainbike-Netz. Wir werden in der Tourist-Info auf bayrisch empfangen! Eine vor 20 Jahren ausgewanderte Deutsche, die sich sehr gut auskennt und uns einige rassige Berggipfel empfiehlt. Wir holen die ersten Informationen zum Chilkoot-Trail ein. Diese dreitägige Wanderung/Trekking ist auf dem historischen Pfad der Goldsucher angelegt.

Auf diesem Pfad sind Ende des 19. Jahrhunderts viele Goldsucher in die Gebiete am Fluss des Yukon gewandert. Sie mussten dazu mit ihrem schweren Gepäck (wegen der Selbstverpflegung war eine Tonne Material vorgeschrieben, was in vielen Fuhren über den Pass gebracht werden musste) über den steilen Chilkoot-Pass (1067 m) stapfen. Ca. 100.000 vom Goldrausch Erfasste fanden so ihren Weg zu den Claims, um Gold zu schürfen.

 

Unten seht ihr eine "modernere" Goldschürfstätte:

 

 

Am Nachmittag fahren wir nach Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon Territory und kaufen dort ein. Wir sind ganz schön platt von der vielen Fahrerei in den letzten drei Tagen und genießen die Annehmlichkeiten von Whitehorse. Insgesamt waren wir in diesen Tagen um die 1500 km unterwegs. Wir haben die Marke von 9.000 Gesamtkilometern auf unserer Tour überschritten.


in Whitehorse, Hauptstadt des Yukon .... 17.06.2016

Nachdem wir unsere Erstinformationen zu dem Chilkoot-Trail, dem früheren Landweg der Klondike-Goldsucher über den Chilkoot-Pass (Grenze zw. Alaska/USA und Yukon/Kanada), erhalten hatten, besuchten wir Andrée von Parks Canada in Whitehorse. In ihrem Büro im großen Gebäude von Parks Canada erhielten wir "first hand information". Andrée empfahl uns die Etappenlängen, suchte uns das Wetter heraus und - informierte uns ganz fair über die Varianten für "Sparfüchse". Da wir unser Auto in Dyea am Trailanfang stehen lassen wollten, mussten wir ja irgendwie wieder vom Trailende beim Bennett Lake dorthin zurückkommen. In Bennett gibt es aber lediglich einen kleinen Bahnhof der Historischen Whitehorse-Bahn, die wirklich s...teuer ist. Locker 100 Euro pro Person würde die Fahrt bis Skagway, dann nochmals die Shuttlegebühr von 10 Euro bis Dyea kosten. Autsch, das würde weh tun. Da wüssten wir andere Einsatzmöglichkeiten für das Geld.

Also entwarf Andrée mit uns einen Schlachtplan: Man kann von Bennett aus auf den Schienen der historischen Eisenbahn bis nach Log Cabin laufen. Das liegt an der Straße nach Skagway. Von da sind es noch 50 km bis Skagway. Mitgenommen wird man bei Log Cabin nicht, aber es gibt einige Kilometer weiter bei Fraser an der kanadischen Grenze eine Zusteigemöglichkeit zum Shuttle. Das Ganze hat nur den einen Haken: ES IST NICHT ERLAUBT! Also nicht erwischen lassen. Das Schienengelände plus 30 m zu jeder Seite gehört der Eisenbahngesellschaft und die erlauben das nicht. Da stehen auch Strafen darauf. Es machen aber immer wieder Trekker, meint Andrée. Den Rangern ist es egal. Wie weisen nur daraufhin, dass die Sparvariante auf eigene Gefahr gemacht werden muss.

Bei Hans keimen schon die nächsten Pläne: Wieso nicht unsere Bikes bei Log Cabin deponieren und dann bis nach Dyea auf der Straße zurückfahren? Schließlich geht das meiste doch bergab. Mir schwant da schon was, nämlich, dass dieser Hiketag recht strapaziös werden könnte. Die Bikestrecke führt zuerst den Whitepass hinauf und mit müden Knochen nochmals 200-300 Höhenmeter und insgesamt 60 km zu strampeln, erschien mir in dem Moment nicht sehr erstrebenswert. Bei Hans war das ganze aber im Köpfchen schon recht fix verankert. Und als Weichei wollte ich nunmal auch nicht gelten....

Also sind wir mit Höhen- und Etappenprofil sowie Karte versorgt zum Auto zurückgesprintet, um dann so schnell wie möglich nach Skagway zu fahren, wo wir unsere Permits (Erlaubnisscheine) für den Trail kaufen mussten. Lt. Andrée gab es noch genügend freie Plätze. Bis zu 50 Hiker pro Tag können die Tour beginnen. Uns kam zu Gute, dass wir über den Whitehorse Pass fahren mussten und damit die Grenze zu Alaska passierten, wo eine neue Zeitzone begann. Die Uhren wurden eine Stunde zurückgestellt - nun 10 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland.

Wir kamen rechtzeitig an, löhnten unsere insgesamt 119 kanadischen Dollar (ca. 85 Euro) und erhielten eine Orientierung über den Trail. Ranger sind in den USA eine Autorität. Die Rangerin stand hinter ihrem Tresen und hakte Punkt für Punkt ab, was wir beachten sollten. Rangerin: "Also Leute,, Trekkingstöcke mitnehmen". Hans: "Ne, wir sind Sportler, brauchen wir nicht". Rangerin: "Leute, denkt daran, alle Lebensmittel in die Bären-Schließfächer, das gilt auch für Zahnpasta! Wenn ihr über den Pass geht, dann geht früh los. Auf der kanadischen Seite besteht Lawinengefahr. Also spätestens um 6 Uhr losgehen, damit ihr in ca. 4 Stunden über den Pass gegangen seid. Mittags wird der Schnee weich und die Lawinengefahr steigt...." Nachdem wir dann noch hören mussten, dass wir noch an Blasenpflaster und Sonnenbrille denken sollten, haben uns Hans und ich dann doch breit grinsend angeschaut.

Dann wurden wir gefragt, wie wir zurückkommen würden - per Eisenbahn oder "tracken"? Zuerst begriffen wir nicht, was gemeint war, dann ging uns ein Licht auf. Mit tracken ist das Laufen auf den Schienen, den railway tracks, gemeint. Wir erzählten ehrlich, was wir vorhatten und erhielten prompt nochmals den Hinweis auf mögliche Geldstrafen durch die Eisenbahngesellschaft.

 

Was aber dann doch gut war, war der Tipp beim Brewing House zu Abend zu essen. Mit schönem Fensterplatz versorgt, genossen wir unsere "stuffed french fries". Man nehme dazu Pommes, Kidneybohnen, Fleisch und lasse darüber Käse zerlaufen. Eine Portion reicht für zwei Personen - selbst wenn sie am nächsten Tag mit 17 kg Marschgepäck eine 20 km-Strecke laufen möchten.

Links: Whitehorse                                                                              Rechts: Kreuzfahrtschiffe vor Anker in Skagway

Chilkoot-Trail  - 65 km, 1000 Hm, 60 Bike-Km    18.-21.6.2016

Die Historie:

Der Klondike-Goldrausch dauerte nicht lange. Ca. 2-3 Jahre strömten Goldsucher gen Norden Richtung Dawson City, um dort beim Schürfen, möglichst auf eigenen Claims, ihr Glück zu versuchen. Oft kam es vor, dass sie nach der langen Reise, die aus Schiffspassage und/oder Fußmarsch bestand, zu spät kam und keinen eigenen Claim mehr abstecken konnte, sondern sich als Arbeitskraft verdingen musste. Der Traum vom schnellen Geld platzte nach strapaziöser Anreise von 1-2 Jahren nur allzu schnell.

 

Es gab mehrere Möglichkeiten nach Dawson City zu gelangen. Von Vancouver bzw. Seattle aus konnte man mit dem Schiff nach St. Michael/Alaska reisen und dann sein Hab und Gut den Yukon hinaufzuschiffen. Das war eine sehr teure Angelegenheit. Oder aber man fuhr bis nach Skagway und brachte Proviant und Ausstattung über den Chilkoot-Pass auf dem Landweg bis zum Yukon, um dann den Yukon hinab nach Dawson zu fahren. Auf jeden Fall war die Landpassage über den Chilkoot mit den 53 reinen Land-km nur ein kleiner Teil einer langen Reise, die oft bis zu 2 Jahre dauerte. Es war vorgeschrieben, wie viel man mitzunehmen hatte. Mehl, Bacon, Zucker, Bohnen, Werkzeuge, Kleidung - es musste ausreichen, durch die harten Winter zu kommen. Die indianische Bevölkerung bot sich gegen Entgelt als Träger an. Die Lager wie z. B. Happy Camp oder Lindemann Camp bestanden aus Tausenden von Zelten (bis zu 10.000) und rundherum waren viele Bäume abgeholzt. Diese dienten den Goldsuchern dazu, Holzhütten und Boote zu bauen. Noch heute zeugen viele Relikte am Weg aus dieser Zeit.

 

Unten seht ihr die Königsetappe (Golden Steps) zum Chilkoot Pass. Es gab eine Fördereinrichtung, die die schweren Lasten nach oben beföderte. Dazu wurde das Gepäck vorher abgewogen. Für die Förderung wurde bis zu einem Dollar pro kg berechnet. So manches nicht benötigte Gut wurde einfach zurückgelassen...

Achtung! Jetzt gibt es eine längere Beschreibung. Haltet durch, denn am Ende gibt es noch eine überraschende Wende...

 

Tag 1:

Wir nehmen es locker und packen erst am Morgen. Um 8:30 Uhr geht es los. Von Dyea (siehe Trailkarte) soll es heute bis nach Sheep Camp gehen. Geplant sind 20,9 Hike-Km. Wie lange wir brauchen werden? Keine Ahnung. Es ist schon etwas länger her, dass wir mit ca. 17 kg Marschgepäck (Zelt, Thermarest, Schlafsack, Kocher, Backpacker-Nahrung und unzählige Tafeln Schokolade aus Deutschland) unterwegs waren.

Zuerst geht es in einem malerischen, nicht unstrapaziösem Auf und Ab am Tayia-Fluss entlang. Dann wird es flach und der Weg führt durch schon fast sumpfähnliche Flußauen. Stellt Euch einen Regenwald am Pazifik vor. Mischwald mit Hemlock-Tannen, ganz hohen schlanken Engelmann-Tannen, dann Erlen, Pappeln, viele kleinere Büsche, Farne und bunte Blumenflecken dazwischen.

Wir haben Begleiter bei uns. Richtig geraten - Mücken. Nach den ersten fünf Stichen sprühen wir uns ein um Ruhe zu haben. Das Mückenspray ist dabei immer griffbereit in der Außentasche des Rucksacks.

Das erste Camp erreichen wir recht zügig, doch dann zieht sich der Weg. Da wir keine Mile oder Kilometer-Angaben haben, fehlt uns ein bisschen die zeitliche Einordnung. Mit der Zeit sehen wir, dass wir mit ca. 3,5 km/h unterwegs sind und können die Ankunftszeiten bei den nachfolgenden Camps berechnen. Pausen halten wir kurz. Regelmäßige Trinkpausen sind ein Muss, denn wir schwitzen ordentlich. Es hat bestimmt 25 Grad Außentemperatur und wir sind für jedes Lüftchen dankbar. Zum Schluss führt der Weg bergan zum Sheep Camp (Schafs-Camp), das wir dann um 16:30 Uhr erreichen. Damit war das Tageswerk aber noch nicht vollendet.

Jedes Camp hat hölzerne, quadratische Plattformen, die in den Regenwald hineingebaut sind. Auf diesen Plattformen werden die Zelte aufgebaut. Eine idyllische kleine Zeltstadt entsteht. Wir haben unser Nallo 3 G von Hilleberg, ein Tunnelzelt, dabei. Mit 2,8 kg eine ganz tragbare Größenordnung. Die Crux ist nur, dass das Tunnelzelt durch zwei Apsiden eine Länge von guten 3 m hat. Zu viel für jede Plattform. Es war ein schwieriges Unterfangen, noch explosiver wurde es durch zwei werkelnde Individualisten, von denen jeder meinte es besser zu wissen. Schwierig auch, weil diese beiden Charakterköpfe qualmende Socken hatten und die Frusttoleranz gegen 0 ging. Wetterprophet Kachelmann würde sagen: Eine Gewitterfront nähert sich mit schweren atmosphärischen Störungen. Kurzum: Es funkte und krachte ordentlich zwischen uns Beiden, aber am Ende stand wenigstens das Zelt. Ich verzog mich schmollend ins Zeltinnere, während Hans sich um das Essen kümmerte.

Am Abend kam eine Rangerin ins Camp, um über die Historie des Trails, aber auch nochmals über die Etappe des nächsten Tages, zu erzählen. Hmmmh. Die Amerikaner werden doch sehr am Händchen geführt. Höhepunkt des Ganzen ist, dass die Rangerin am nächsten Tag um 8:30 Uhr dann höchstpersönlich am letzten Rastplatz vor dem Passaufstieg sein wird, um nach dem Rechten zu sehen! Crazy...

Am Abend dauert es lange, bis man einschlafen konnte. War es die Aufregung oder diese doofe Mitternachtssonne bzw. unser gelber Zelthimmel, der den Eindruck von ständigem Sonnenschein erweckte?

 

 

Tag 2:

 

Es ist 3:30 Uhr in der Frühe. Schon früh rumort es im Camp. Man hört das Klappern der Zeltgestänge, die abgebaut und im Rucksack verstaut werden. Draußen ist es recht hell. Auch wir packen im Innern des Zeltes alles zusammen und gehen dann in das Küchenhaus, um dort kurz zu frühstücken. Um 5:00 Uhr sind wir abmarschbereit. Vor uns hat sich ein Ehepaar aus Anchorage schon auf den Weg gemacht.

Der Weg führt nun zügig bergan. Schließlich müssen die 700 Höhenmeter ja irgendwie zusammenkommen. Immer wieder geht es über kleine Schneefelder. An der .... machen wir einen kurzen Halt. Jede rostige Büchse, jeder Nagel wird von den US-Amerikanern wie auch den Kanadiern als historisch betrachtet. Ja nicht anrühren oder gar irgendetwas mitnehmen! Das zieht Konsequenzen nach sich, sollte es gemeldet werden. Somit ist seitlich des Wegs viel "Schrott" zu sehen. Man muss sich ganz intensiv in die damalige Situation der Goldsucher versetzen, die in den Jahren 1897-1900 mit ihrem schweren Gepäck bergan zum Chilkoot Pass stapften, um ein Verständnis für die Relikte aus dieser Zeit zu entwickeln.

Weiter oben am Pass pfeift der Wind gewaltig. Am Ende eines Schneefeldes breche ich mit meinem schweren Rucksack ein. Tja, doch ein bisschen zuviel eingepackt? Dann geht es weiter über Blockgeröll und über die letzten Schneefelder zum Pass. Auf der anderen Seite gibt es ein Rangerhäuschen und ein kleines Schutzhaus. Wir werden von Erik, dem Ranger, begrüßt: "Hey, ihr seid die Ersten! Ihr könnt Euch im Happy Camp Euren Zeltplatz aussuchen!" Hans meinte dazu: "We are not like North-Americans! (Wir sind nicht wie die Nordamerikaner!)". Erik grinste und meinte, dass er auch kein Nordamerikaner ist. Er ist Norwege, aber schon seit 15 Jahren in Kanada. Erik soll in meiner Erzählung später noch einen wichtigen Part spielen....

Es sind gerademal 2,5 Stunden nach unserem Start vergangen. Draußen pfeift der Wind. Wir holen den Kocher raus und genehmigen uns in der Schutzhütte eine warme Suppe.

 

Nun sind wir in Kanada. Der Chilkoot Pass stellt die Grenze zwischen USA und Kanada dar. Wir stapfen über Schneefelder (im Lawinen-Gefahren-Bereich) den Pass hinunter. Die Hänge haben Süd-/Südostlage. Der Schnee ist aber schon recht weit abgetaut. Wir halten die Warnung vor Lawinen als für etwas übersteigert, bewegen uns aber zügig über die Schneefelder am Fuß der Hänge. 1987 gab es einen Lawinenabgang, der Opfer forderte, und es scheint, dass man seither strengere Sicherheitsvorgaben aufgestellt hat.

 

Auf dem Weg zum Happy Camp gibt es mehrere Bäche, die viel Wasser mit sich führen. Wir sind gezwungen, beide Trekkingstöcke (wir hatten ein Paar mitgenommen!) zu Hilfe zu nehmen, um halbwegs trockenen Fußes über die Steine im Bach zu balancieren. Also - es ist doch ganz gut, wenn man Trekkingstöcke dabei hat.

Das Happy Camp kommt dann ganz plötzlich. Kurz nach 10:00 Uhr sind wir nach 12 km Hike-Strecke da. Das Gefühl für die eigene Wandergeschwindigkeit täuscht manchmal sehr. Es ist wunderschöner Sonnenschein - der Name Happy Camp passt total. Der Zeltaufbau klappt heute harmonischer. Den Rest des Tages verbringen wir mit Lesen, Schläfchen halten und lustigen Unterhaltungen mit den anderen Ankömmlingen. Dabei lernen wir auch Janetta aus Anchorage kennen, die bis zum 7. Lebensjahr in Stuttgart lebte. Sie hat es noch ganz gut drauf mit dem schwäbischen Akzent und es hört sich putzig an - eine schwarze US-Amerikanerin, die schwäbelt! Janetta freut sich, wieder einmal deutsch reden zu können und lädt uns prompt zu einem gemeinsamen Hike nach Anchorage ein, den wir annehmen.

Die Küchenhütte ist voller Leute und es wird gewitzelt und gelacht. Wir Germans sind immer wieder Gesprächsstoff. Zum einen, weil wir eben einen für Nordamerika untypischen flotten Wandertrott drauf haben, aber noch mehr deshalb, weil sie es schon als coole Idee finden, dass wir auf den Schienen herauslaufen wollen, um dann unsere versteckten Bikes zu holen und wieder zurückzufahren. Alle anderen Hiker haben ein Zugticket gekauft und lassen sich zurückbefördern -Unsere Sparfuchs-Idee finden sie toll.

 

Tag 3:

 

Das Zeltlager ist noch ganz ruhig. So allmählich steckt den Hikern die Anstrengung in den Knochen und man steht gerne spät auf. Wir haben unsere Rucksäcke gepackt und starten kurz vor 7:00 Uhr, während alles noch schläft.

Ich weiß nicht, was sich Hans heute Morgen zurechtgemixt hatte. Auf jeden Fall legt er ein ordentliches Tempo vor, dass mich manchmal dazu zwingt, meine langen Beine im Galopp zu bewegen. Gut - wir wollten die restlichen 21 km bis zum Trailende am Bennett Lake in einem Rutsch bewältigen. Vielleicht hatte Hans aber auch eine Art Vorahnung.

Wir bewegen uns durch eine malerische Teich- und Seenlandschaft. Tiefgrüne Bergseen, tiefe Canyons mit Whitewater, gesunde Bergwälder und eine bunte Bergblumenpracht begleitet uns. Es geht immer wieder bergauf und bergab und man muss schon ordentlich schnaufen. Mit knapp 2 Liter Wasser an Bord hat man am letzten Tag auch nicht viel leichter zu tragen als die Tage zuvor. Immer wieder befindet sich Bärenkot auf dem Weg, den wir aufmerksam betrachten. Ist er von diesem Tag oder schon älter? Auch bei morastigen Wegstellen schaut man nach Tierspuren. Was auffällt,  ist, dass die Bäume immer wieder angekratzt sind. Wir vermuten, dass dies Bären auf ihrer Suche nach Nahrung verursacht haben. Gegen 10:30 Uhr kommen wir in das große Lindemann Camp und essen in einem geschlossenen Shelter eine Kleinigkeit. Dann wandern wir durch das Camp des Rangers und suchen das Zelt, wo sich eine Ausstellung befinden soll. Wir finden es verschlossen vor und gehen weiter. Am Küchencontainer steht auf einer Tafel, dass der Ranger derzeit auf Patrouille ist.

Noch sind es 11,5 km bis zum Endpunkt, aber irgendwann haben wir auch diese geschafft und sind in Bennett. Nach uns kommt ein Schweizer Pärchen aus dem Berner Oberland,. Mit den Beiden unterhalten wir uns später in der "Küchenhütte" intensiv. Sie haben eine ähnliche Reiseleidenschaft wie wir und wir tauschen uns über unsere bisherigen Erfahrungen aus.

Es ist schon früher Abend und wir sitzen zu viert gemütlich in der warmen Hütte, als plötzlich die Tür aufgeht und Erik, der uns vom Chilkoot-Pass bekannte Norweger-Ranger, hereinkommt. Heute sieht er mit seinen zerzausten Haaren, die seitlich aus der Mütze herauslugen, noch mehr wikingerähnlich aus als auf dem Chilkoot-Pass. Auf der Brust trägt er ein Funkgerät und er kündigt uns die Ankunft von 11 weiteren Hikern an. Wir erfahren, dass (vermutlich) ein Grizzly im Lindemann-Camp in den Küchencontainer von Erik, wo er seine Vorräte lagerte, eingebrochen hatte. Dazu war er durch ein Fenster eingestiegen und hat das Innere völlig verwüstet. Der Kühlschrank war aufgebrochen worden. Erik selbst hatte es entdeckt, woraufhin er die Hiker im Camp zusammenholte und über den Vorfall informierte. Später ging er nochmals zu seiner Küchen-Unterkunft, um Lebensmittel zu holen. Gott sei Dank sondierte er vorher die Lage und blickte durch das Fenster. Und da sah er, wie der Bär wieder da war und sich über die Lebensmittel her machte!

Nun setzte Parks Canada einen Notfallplan um, da vermutet werden musste, dass der Bär vorher schon auffällig gewesen war. Die Hiker aus dem Lindemann-Camp wurden über den benachbarten See per Boot evakuiert. Nach und nach schloss man die weiteren Camps auf der kanadischen Seite und flog die Hiker teilweise per Hubschrauber aus. Es war helle Aufregung in unserem Bennett-Camp. Photos vom verwüsteten Küchencontainer wurden herumgereicht und Erik stellte eine Liste mit den Namen aller Hiker auf dem Trail zusammen, um seine "Schützlinge" alle heil ins Tal zu bekommen.

Wir erfuhren, dass ein Spezialisten-Team eingeflogen wird, um den "Tatort" zu untersuchen und sich auf die Spur des Bären zu machen. Hilfe, alle Bären der Umgebung unter Generalverdacht! War das nicht ein bisschen überspannt? Schließlich war der Bär ja keine direkte Gefahr für den Menschen geworden....Für Parks Canada heißt es: "A fed bear is a dead bear" (Ein gefütterter Bär ist ein toter Bär). D. h. sobald der Bär begriffen hat, dass die menschliche Nahrung ein besonderes Leckerli ist und auch keine Scheu mehr hat, sich diese Nahrung zu holen, ist sein Todesurteil gefällt. Wir sind sehr nachdenklich geworden...

 

Unten seht ihr ein Bild von unserem "Helden des Tages", Erik, der Norweger:

 

Hier die Bilder vom 3. Tag:

Tag 4 oder besser HIDDEN MISSION:

 

Erwischen lassen wollten wir uns nicht - also: früh aufstehen! Um 5:00 Uhr waren wir abmarschbereit und setzten uns Richtung Gleise in Bewegung. Komisches Magengefühl heute. Das Bärenabenteuer zeigte seine Nachwirkungen. Aber ehrlich - bei jedem Bärenhaufen jenseites der Gleise musste man unwillkürlich an diesen "kanadischen Bruno" denken. Und es gab jede Menge solcher Kothaufen. Manchmal ging mein Blick zurück. War da nicht etwas?

Nieselregen setzte ein und wir trotteten in dieser völligen Wildnis in schnellem Tempo auf dem Schienenbett entlang. Gott sei Dank gab es nur kurze Abschnitte mit losem Kiesbett. Wir hätten es sonst verflucht, denn neben den Gleisen war ein Hiken oft nicht möglich. Die Bahn kommt frühestens 10 Uhr - das hatten wir berechnet. Und richtig bis dahin waren wir längst raus. Um 7.30 Uhr gelangten wir an mein Steinmannerl, was ich am Weg gebaut hatte, um den Waldzugang zu unseren Rädern zu markieren. Und die lagen noch ganz jungfräulich unter den Ästen, die wir darauf aufgetürmt hatten. Wir zogen sie raus und entfernten uns erst einmal von diesem "strikt verbotenen Bahngelände" (grins....)

 

Klatschnass und mittlerweile etwas verfroren verzogen wir uns unter Tannen und kochten auf einem trockenen Fleckchen Erde erst einmal ein heißes Süppchen. Dann wurden diesmal die schweren Rucksäcke versteckt und es ging auf die eiskalte, nasse Fahrt Richtung Skagway. Wir hatten Schutzbleche an den Bikes. Aber ihr glaubt nicht, was alles von so einer nassen Straße noch alles ins Gesicht spritzt. Mit einem blinzelnden Auge, das andere geschlossen, bin ich die 50 km nach Skagway gefahren. Ständig hat einem der Wind das Spritzwasser ins Gesicht geweht. Dank guter Handschuhe und einigen Bibber-Stopps ist das Ganze gut über die Bühne gegangen. Und in Skagway war es warm, die Straße bald trocken, richtig angenehm! Der Rest bis Dyea war dann Fotoshooting-Tour. Hans ließ ich zufahren und gönnte mir die Aufenthalte an dem Fjord. Denn ich war richtig, richtig fertig...

Abends haben wir den Trail-Abschluss in Skagway im Starfire Thai Restaurant gefeiert. Das Essen dort ist sehr empfehlenswert und das gab den richtigen Rahmen zu unseren Glücksgefühlen.


Nachspiel ... 22.06.2016

Natürlich wollten wir wissen, wie die Geschichte mit "Bruno" nun weiterging. Die Ranger in Skagway konnten uns keine weiteren Angaben machen. Wir sahen die öffentlichen Mitteilungen zu dem Vorfall, in denen von einem Schwarzbär gesprochen wurde. Erst am Donnerstag, den 23.6., hörten wir von Andrée aus Whitehorse, dass stark duftende Köder ausgelegt worden waren, auf die ein Schwarzbär reagierte. Der Bär wurde erlegt und wird derzeit auf seinen Mageninhalt hin untersucht....

 

Wir haben uns zwei Tage Ruhe verordnet, die wir hauptsächlich in Whitehorse verbringen. Natürlich sind die nächsten Planungen schon im Gange. Am Freitag, den 24.06. starten wir erst einmal einen dreitägigen Canadier-Lehrgang. Vielleicht wird es ja später doch noch mal was mit einem Yukon Cruise im Canadier. Aber so ganz bin ich davon noch nicht angetan...


Mit Sarah im Kanukurs auf dem Yukon und Takhini  24.-26.06.2016

Auf Empfehlung haben wir uns bei der Gesellschaft "Yukancanoe" aus Whitehorse zu einem Anfängerkurs für den Canadier angemeldet. Zweieinhalb Tage sind wir so auf diversen Seen und den beiden Flüssen Yukon und Takhini unterwegs. Ziel von uns ist, sich die verschiedenen Paddeltechniken anzueignen, um ggf. bei einer eigenen Kanu-Flußfahrt besser manövrieren zu können.

Zu den Begrifflichkeiten: Ich rede der Einfachheit halber von einem Kanu, meine damit aber immer einen Kanadier. Kanu ist ein Überbegriff für sowohl Kanadier wie auch Kajaks.

 

 

Freitagabend begann unser Kurs an dem kleinen Ear Lake. Wir treffen unseren Instructor, Sarah, und helfen ihr die Kanus vom Anhänger zu laden. Mit dabei sind noch Craig und Alicia, die ebenfalls den Anfängerkurs gebucht haben. Eine nette kleine Gruppe, die auf Grund der Größe gute Lernfortschritte verspricht. Nach erster theoretischer Unterweisung geht es recht schnell. Wir lernen die wichtigen Paddeltechniken mit dem Stechpaddel und merken, dass wir absolut keine Ahnung hatten, wie man ein solches Boot auf Geradeaus-Kurs hält. Das Kanu liegt gut im Wasser und ich genieße die ruhige Fahrt auf dem See. Ein Biberpärchen taucht mit dem Kopf aus dem Wasser auf. Wie ein Seehund begleitet ein Biber uns ein Stück.

 

Wir sind gute 2,5 Stunden auf dem See unterwegs und trainieren vor allem schnelle Wendungen, bis uns die Arme schwer werden. Zufrieden beenden wir den ersten Tag.

 

Am Samstagmorgen sind wir auf dem Schwatka Lake und verfestigen nochmals unsere Kenntnisse vom Vortag in Übungen. Dann geht es zum Miles Canyon, wo wir erste Flussströmungen haben, in denen wir das Ein- und Ausfahren aus den Strömungen üben. Noch geht alles sehr gemächlich zu und bei Fahrfehlern wird man nicht zu weit abgetrieben.

Nachmittags setzen wir zum Yukon über, der mit ca. 10 km/h in Höhe Whitehorse schon eine andere Fließgeschwindigkeit aufweist. Hier üben wir nochmals das Anlanden im Kehrwasser (rückwärts fließendes Wasser nach Hindernissen im Fluss). Bei Hans und mir will das noch nicht so richtig fließend klappen und einmal gerät das Boot richtig nett ins Schaukeln. Gewichtsverlagerung ist sehr wichtig beim Kanu. Die Kanadier nennen es "tilt", wenn das Kanu stromabwärts zeigend etwas auf der Seite liegt. Damit lässt sich ganz gut manövrieren. Sarah hat eine Kehre von uns gefilmt, so dass ihr eine kleine Vorstellung davon gewinnt, von was ich gerade erzähle. Ihr seht, wie verhalten wir mit dem Element Wasser umgehen. Das Bid ist auf dem Yukon in Höhe Whitehorse  entstanden. Da ist noch viel Respekt vorhanden...

 

 

Der dritte Tag war am besten, allerdings auch am nassesten. Wir treffen uns am Takhini-Fluss, um dort nochmals alles, was wir bisher gelernt haben, zu verfestigen. Unser Auto lassen wir als Shuttle an der Anladestelle 15 km unterhalb des Einstiegs. Wir fahren im Auto von Yukancanoe. Sarah deutet entschuldigend auf die Windschutzscheibe - alle anderen Autos sind unterwegs zu Lehrgängen und sie hat die älteste Kutsche bekommen. Das Gefährt sieht schon recht abenteuerlich aus - aber Hauptsache, sie kann noch durchgucken.

 

Am Anfang dieses Tages hatte ich drei Fragezeichen auf der Stirn, als wir unsere erste Anlandung im Kehrwasser versuchten. Folge --- Abtreiben und kräftezehrendes Wiederhochpaddeln. Im Laufe der Zeit ging es wieder besser und 1-2 x haben wir ganz schmissig die Kurve bekommen. Um es Euch genauer zu erklären:

Anlanden in ruhigen Buchten in einem Kehrwasser, das stromaufwärts fließt, läuft so ab, dass man flußabwärts fahrend zum Einleiten der Kehre schon mal mit dem Boot landwärts eindreht. Dann heißt es die Strömung zu überwinden und man paddelt kräftig und schnell im 90 Grad Winkel zur Strömung Richtung Land. Man schießt also richtig auf die Landestelle zu und ist man dann über die Strömung hinaus im ruhigen Wasser dreht man das Kanu mit einem bestimmten Zug (Draw) blitzschnell, so dass es parallell zum Ufer stromaufwärts zeigt. Ist man zu langsam und erzwingt das Drehen oder hat man nicht den richtigen Winkel gewählt - kippt man mit dem Kanu unweigerlich um. Wir haben es geschafft, das Ganze viermal zum nassen Ende zu bringen. Frust.... und Zähneklappern. Wir hatten zwar einen Neoprenanzug an, aber der Wind schaffte es uns auszukühlen.

Sarah hat uns dann danach wieder mental aufgebaut und ich stieg zu Sarah ins Boot, während Hans mit Matthias diese Wende trainierte. Na also, funktioniert doch.

Der krönende Abschluss war dann die Fahrt durch ein Stromschnellenbereich. Wir haben uns vorher schon etwas akklimatisiert, indem wir durch aufgewühlteres Wasser durchmanövrierten. Die Kanadier nennen das Rockgarden (Steingarten). Es heißt schon aufzupassen, welchen Weg man auf dem Wasser wählen möchte. Großen Bogen um Steine, Bäume etc. machen, schauen, wohin die Strömung geht, wohin es uns abtreiben könnte - man nennt das "Wasserlesen".

Wir studierten das Wasser vorab, indem wir an Land die Strecke abgingen. Dann legten wir gemeinsam die für uns optimalste Fahrrinne fest. Währenddessen fuhren zwei Kanadier mit ihrem Boot inmitten der höchsten Stromschnellen. Wir sahen nur noch ihr Boot auf und ab wippen und da war es schon geschehen. Das Boot kippte und die zwei gingen in hohem Tempo baden. Es sah richtig stunt-mäßig aus. Die zwei nahmen jeweils ihre Bootsleinen und versuchten an Land zu kommen. Aber die Strömung war zu stark, woraufhin Sarah und Matthias in ihr Boot sprangen und den Beiden halfen.

Hmmh....Da Hans und ich nicht noch einmal komplett nass werden wollten, wenn wir nicht den richtigen Weg durch die Stromschnellen der Klasse 2 schaffen würden, stiegen wir auch diesmal um und so machte der Ritt durch das aufgewühlte Wasser absolut Spaß.


Die indianische Bevölkerung im Yukon - ein Jugendprgramm

Im Gespräch mit Alysha, die als Lehrerin bis zum 3ten Grad (7-8 Jährige) auch bereits in Reservaten unterrichtet hat, wird die Situation der indianischen Bevölkerung im Yukon nochmals deutlicher. Aufhänger für meine Fragen an sie war eine Situation bei Walmart in Whitehorse. Wir saßen am Vorabend des Kanukurses im Mc Donalds, der Walmart angegliedert ist, als plötzlich immer mehr Jugendliche in einem dunkelgrünen Outfit in den Supermarkt kamen. Auf ihren Aufnähern stand "Junior Ranger Canada".

Alle Jugendlichen waren indianischer Abstammung und auf Nachfrage erzählte uns ein Mädchen, dass sie alle aus den nördlichen Provinzen von Kanada kommen - also Yukon und Northwest Territory. Es gibt aber auch Rangerorganisationen in den anderen Provinzen Kanadas. Das Junior Ranger Programm unterrichtet die Teenager in Sommercamps in lebensweltlichen Dingen, wie Campen, Kochen, aber auch Themen wie Schule, Umgang mit Alkohol und anderen Drogen, Berufsplanung und Ähnliches stehen auf dem Programm. Traditionelle Lebensformen wie Jagen, Fischen, Musik und Tanz sind ebenfalls Veranstaltungspunkte der Sommercamps. Die Arbeit eines Rangers, auch Umgang mit Gewehr, gehören zu Unterrichtsinhalten. Letztendlich ist es ein Programm des Verteidigungsministeriums, u. a. um den indianischen Jugendlichen einen besseren Start in ihr Leben zu ermöglichen.

Während wir das Treiben bei Walmart beobachten, sehen wir, wie sich die Jugendlichen mit vollen Einkaufswagen, meist mit Kleidern und Schuhen bestückt, an den Kassen einreihen. Die Schlangen werden immer länger. 330 Teenies sind mit sechs Bussen angerückt. Es ist schon ein besonderes Schauspiel! Klar, besonders die Teenies aus dem hohen Norden, die oft in kleinen Siedlungen leben, haben das Bedürfnis, mal richtig shoppen zu gehen, da sie sonst keinen solchen Supermarkt in der Nähe haben. Da hat selbst eine Stadt mit Whitehorse mit ihren nur ca. 24.000 Einwohnern Großstadtflair.

Im Gespräch mit Alysha wird aber noch einmal deutlich, wie prekär die Situation der Abkömmlinge der Urbevölkerung ist. Wenige schaffen den Weg aus den ghettoartigen Verhältnissen des Reservats hin zu einem befriedigenden Leben mit auskömmlichem Job, Wohnung oder eigenem Haus. Manchmal hat die Bevölkerung im Reservat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Kanada geht rücksichtslos vor, wenn es z. B. darum geht, Pipelines zu verlegen und versucht, vollendete Tatsachen zu schaffen, indem die Pipelines einfach durch Reservatgebiet gelegt werden.

Schaffen es einige wenige "Natives" zu Job und zufriedenstellendem Leben, wurde beobachtet, dass sie wieder heruntergezogen werden, sobald sie sich im Reservatgebiet niederlassen und den Einflüssen der dortigen Bewohner ausgesetzt sind. Grundlage für diese desaströsen Verhältnisse ist die Alimentierung der Bevölkerung durch den kanadischen Staat. D. h. die indianischen Bewohner erhalten finanzielle Unterstützung durch den Staat, ohne dafür arbeiten zu müssen. Das fördert Sinnleere und Flucht in Drogen.


Unterwegs auf dem Highway - die Verhältnisse ändern sich ..... Dempster Highway

Von Whitehorse fahren wir den Klondike Highway in Richtung Dawson City. Stellt Euch bei dem Wort "Highway", was übersetzt eigentlich Autobahn heißen soll, keine vierspurige Schnellverbindung zwischen Städten vor. Wie auch schon zuvor auf dem Stewart Cassiar-Highway im Süden sind diese Verbindungen im Großen und Ganzen schlecht gewartet. Man investiert wenig und stellt stattdessen lieber kleine orangefarbene Fähnchen am Straßenrand auf, die darauf hinweisen, dass zum einen eine Bodenwelle oder ein Schlagloch oder ein Stück unbefestigter Straße zu erwarten ist. Man kann also nicht seinen Gasfuß betätigen und einfach träumend durch die Landschaft brausen, sondern muss stattdessen höllisch aufpassen und seine Route auf der Straße sorgfältig wählen. Obwohl - träumen könnte man machmal schon, sieht man die sattgrünen Wälder zu beiden Seiten der Straße und die Bergketten, teilweise mit Schnee, am Horizont. NATUR PUR.

Natur in Form von Tieren ist auch auf der Straße zu erwarten. Es kommt schon einmal vor, dass ein Grizzly über die Straße trottet, ein Stachelschwein sich auf dem Highway bewegt oder eine Elchkuh mit Kalb entlang der Straße trottet.

Noch einmal rauher wird es auf dem Dempster Highway, der an seinem Endpunkt Inuvik nach 736 km endet. Die Straße ist nicht geteert, dafür aber ganz gut planiert und mit feinkörnigem, festen Belag ausgestattet. Das führt aber dazu, dass das Auto unweigerlich eine braune Patina erhält und die Radkästen wieder mal eingeschmuddelt sind. Wow - so richtig outdoormäßig. Nun gehören wir so langsam zu den Insidern.

Wir fahren den Dempster Highway zwar nur gut 70 km bis zum Center vom Tombstone Territorial Park, aber kommen dort schon recht braun "eingetüncht" an. Lohnt nicht, an ein Abspritzen zu denken. Dieser Rat wurde uns auch von Einheimischen gegeben. Wir werden in nächster Zeit noch andere unbefestigte Straßen fahren (z. B. den Top of the World Highway Richtung Denali-Park).


Grizzly Lake Trail oder Besser Murmeltierweg         27./28.06. 2016

In den Füßen zuckt es wieder ( nein, diesmal keine Krämpfe) und das Verlangen nach ein paar Hike-Kilometern lässt uns zum Tombstone Territorial Park fahren. Ich möchte den Grizzly Lake Trail hiken, weil er uns in mehreren Gesprächen mit Kanadiern aber auch Europäern empfohlen wurde. Im Infocenter des Parks erfahren wir, dass heute noch genügend Platz auf dem Campingplatz am Grizzly-Lake vorhanden ist. Das Wetter sieht gut aus - weshalb nicht gleich Zelt und Schlafsack einpacken und losziehen? Wir erhalten einen Bärencontainer, um die Nahrung darin zu verstauen, erfahren aber auch, dass es dort einige Schließfächer gibt, die aber oft nicht ausreichen. Nein, diesmal wollen wir das Gepäck so gering wie möglich halten, also bleibt der Bärencontainer (pssst....) im Auto. Zweiter Wunsch von mir ist, nur das Biwakzelt mit 1 kg Gewicht mitzunehmen. Wird dann zwar etwas eng, aber dafür haben wir es leichter, die 700 Höhenmeter hinaufzusteigen.

Wir starten bei Sonnenschein in einem Wald, der von Heckenrosen und Alpenblumen bewachsen ist. Relativ schnell gewinnt der Weg an Höhe und wir blicken schon bald gegen hoch aufragende, kluftige Granitberge, die den Grizzly-See umgeben. 4-5 Stunden waren für den Hinweg angegeben. Wir hatten daran gedacht, die 12 km Weg unter 4 Stunden zurückzulegen, wurden aber bald eines besseren belehrt. Der Weg führte stetig an Höhe gewinnend entlang eines Bergkamms und wir mussten dabei Dutzende von Blockgeröll-Halden überqueren. Die Luft war irgendwann raus, zumal es schon seit geraumer Zeit regnete und wir selbst bei diesem Bindfadenregen langsam durchnässt waren.

Da kam uns ein kleines Spektakel mit den "örtlichen Bewohnern" gerade recht und die Laune besserte sich. Die putzigen Bergbewohner namens Murmeltiere (hoary marmot) zeigten sich links und rechts des Weges und hielten auf ihrem Ausguck teilweise so lange aus, bis wir uns dann bis auf ca. 5 m genähert hatten und  sie dann schnell in ihren Bauten verschwanden. Es waren große Tiere mit dickem Fell, die putzig aussahen, wie sie die Blumen auf den steilen Hangwiesen abweideten. Zwei Exemplare waren richtig zutraulich und näherten sich uns sogar. Das haben wir auf unserem ganzen Weg nur einmal erlebt - eine besondere Situation!

Wir waren schon über 3 Stunden gegangen und recht müde und nass. An einem windstillen Ort haben wir unseren Kocher herausgeholt und eine schnelle Nudelsuppe zubereitet.

Und tatsächlich - nun kommt die Sonne wieder heraus und begleitet uns auf dem Abstieg zum Grizzly Lake. Wir blicken dabei ständig auf den von Bergen umsäumte See und genießen den Anblick. Nach fünf Stunden ist das Tageswerk beendet und die Knie sind vom Abstieg "weich". Die Parkverwaltung hat Plattformen gebaut, allerdings mit 2,5 x 2,5 m wiederum etwas knapp selbst für unser Biwakzelt. Wir müssen die Plätze sorgfältig auswählen, ist doch der Grund  um die Campplätze aufgeweicht. Auf den Wegen sind extra Matten ausgelegt worden, damit man nicht im Schlamm versinkt. Mmmh... Die Plattformen sind auch mit Lochmatten ausgelegt und Hans erblickt beim Durchschauen gleich einige Münzen, die vergessen wurden. Klar, dass er später damit beschäftigt war, diese Münzen herauszuklauben!

Unser kleines Zeltchen war bald aufgestellt und wir bewegten uns zum Küchenshelter. Der war auch recht klein und hatte nicht einmal eine Bank zum Sitzen - Enttäuschung pur. Man konnte seine strapazierten Beine nicht ausruhen...

Die Nacht war recht kuschelig und eng - in das Zelt passten gerade mal die beiden Matten...

Am nächsten Tag gab es Sonnenschein pur. Wir sind einfach Glückskinder. Kein Regen in der Nacht, nur das Kondenswasser tropfte von der Zeltinnenwand. Um 7 Uhr waren wir zum Abmarsch bereit.  Der Rückweg zog sich wieder - die Geröllfelder forderten ihren Tribut. Fazit: Die Ausblicke waren toll, aber der Campplatz zu schlammig und - es war der strapaziöseste Trail bisher gewesen.


Dawson City - Vergnügungstour ...  29.06./30.06.2016

Wir haben uns ein paar lockere Tage verdient, finden wir. Ruhig im Sinne von "Nicht-Hiken"...Neben einem Abtauchen in die Geschichte von Dawson City (s. unten), haben wir ein Vergnügungsprogramm aufgestellt. Am Mittwochabend besuchten wir das Live-Konzert mit Annie Lou & The Foggy Hogtown Trio. Das Quartett spielt Country-Music, hatte schon einige Konzerttouren u. a. in Australien durchgeführt und - der Sound gefällt uns. Die Stimmung im Saal bei ca. 70-80 Besuchern ist mitreißend - total relaxt haben wir danach unseren Übernachtungsplatz zwischen Abraum-Kies-Halden außerhalb von Dawson aufgesucht.

 

Den nächsten vergnüglichen Abend verdanken wir Felix. dem deutschen Zimmermann aus Franken. Wir trafen Felix im Visitor Centre in Dawson und haben uns echt gut mit ihm unterhalten. Er hatte Dauerkarten für die "Diamond Tooth Gerties-Show" (eine Show mit Can-Can-Tänzerinnen im guten alten Western-Stil) und überließ uns zwei Karten zur Nutzung. DANKE, Felix für diese lustigen Stunden.

Ok, die Erzählung beginnt. Wir waren schon vororientiert, wie wir uns in dieser Show zu verhalten hatten: Nämlich ja nicht in der ersten Reihe Platz nehmen! Vermutlich gibt es einen Programmpunkt zusammen mit einigen Besuchern, dachten wir.

Schon früh, eine Stunde vor Showbeginn um 20.30 Uhr, reihten wir uns in die Schlange vor der Spielhalle ein, in der die Show allabendlich stattfindet. Bewusst setzten wir uns an einen der runden Tische in der zweiten Reihe. Die Show begann unter Begleitung eines Piano-Spielers und eines Schlagzeugers. Die Sängerin (ein vollbusiges Stimmen-Schwergewicht) war nicht nur stimmgewaltig sondern hatte auch ihre schauspielerischen Qualitäten und ging beim Singen durch die Besuchertische. Unter anderem hat sie auch meinen Göttergatten ausgesucht, was ich natürlich klassse fand!! Ich machte immer ganz brav Platz, damit sie mit ihrer Körperfülle auch den Gang frei hatte, um zu Hans durchzukommen. Sie nahm dann bei Hans auf dem Schoß Platz und sang aus Leibeskräften...

Es wurde noch besser: Klar, sie hatten sich meinen Hans schon ausgeguckt und es ging nun daran, vier Mannsbilder auf die Bühne zu holen. Die Can-Can-Tänzerinnen schwirrten in die Zuschauermenge und eine schlanke Tanzmaus steuerte geradewegs auf Hans (zu seinem großen Entsetzen!!) zu. Sie zog und ich schob hinten noch ein bisschen aufmunternd. Schwups, da war er dann auch schon auf der Bühne und bekam ein Can-Can-Röckchen an. Die Feder war auch aufgesetzt und dann ging es zum ersten Tänzchen. Der Saal tobte. Am Besten sah es natürlich aus, wenn die Männerbeine nackt unter dem Rock hervorlugten, aber ich glaube, dann wäre Hans gleich hinter der Bühne verschwunden. In Shorts auf der Bühne zu sein, hätte er sich nicht angetan. Die Tanzmaus hatte ordentlich Motivationsarbeit zu leisten und flüsterte ihm zu, dass er das schon machen würde. Hans hatte noch mehr Aufgaben. Das schlanke Tanzbein wurde ihm entgegen gestreckt und aufmunternd blickte sie ihn an: Du kannst mir das Strumpfband mit den Zähnen oder mit den Händen ausziehen... Hans wählte die Hand-Variante oder besser die "spitze-Finger-Variante" und befreite die Dame vom Strumpfband. Mittlerweile war ich fast nicht mehr im Stande, vor lauter Lachen die Kamera ruhig zu halten. Vielen anderen Zuschauern ging es ähnlich. Sie kringelten sich und schüttelten sich vor Lachen. Wow - der Abend war echt cool! Zur Erinnerung an die tolle Stunde hängt das Strumpfband samt Bierdeckel vom Diamond Tooth Gerties jetzt nun an unserem Innenspiegel.

Hier habt ihr was zum Lachen....

Dawson-City - die Goldrauschstadt

Klasse - Parks Canada ist in Dawson City recht aktiv und restauriert alte Holzhäuser bzw. organisiert Führungen. Da wir ja einen Jahrespass haben, können wir uns diese Führungen ohne zusätzliche Gebühr anschauen. Da hüpft das Sparerherz im Leibe.

Dawson City war ab 1897 das Zentrum des Klondike-Goldrausches und hatte zu dieser Zeit um die 30.000 Bewohner. Man nannte die Stadt auch nach Jack London das  "Paris des Nordens".

Recht schnell waren die Claims links und rechts des Klondike-Flusses vergeben. Man war auf das sogenannte "Placer-Gold" aus. Das ist das Gold, was durch Erosion im Laufe der Zeit zum Vorschein kam und durch Panning herausgefiltert wurde. Dazu wurde Fluss-Sediment mit Wasser in einer Pfanne so geschwungen, dass sich das schwerere Gold am Pfannengrund absetzen konnte, während leichtere Sedimentteile oben abgegossen wurde. Später ging man dazu über die tieferen Lagen, in denen sich Gold befand, abzubauen. Problem dabei war der Permafrost. Die Böden waren zumindest im Winter bei Temperaturen bis - 60 Grad Celsius ständig gefroren und man konnte kaum in diese Schichten vordringen. Zuerst holzte man buchstäblich den Wald um Dawson City ab, um mit Hilfe von Feuersetzen den Boden aufzutauen und abzutragen. Später taute man den Boden mit Hife von eingeleitetem heißen Wasserdampf ab. Zuletzt verwendete man kaltes Flußwasser, um den Untergrund vorzubereiten.

Im 20. Jahrhundert (so ab 1910) benutzte man große Anlagen, sogenannte Dredges, die mit ihren Schaufelrädern sehr effektiv die Lagerstätten abtrugen und dabei große Berge mit totem Gestein hinterließen. Gleich bei der Einfahrt zu Dawson City sind diese Abraumhalden aufgefallen. Auch wenn es hauptsächlich Lagerstätten von mehr oder weniger grobem Kies sind, so sieht es doch hässlich aus und verschönert die Stadtumgebung nicht gerade. Der letzte große Schaufelbagger wurde gegen 1960 außer Betrieb genommen.

Noch heute schürfen Goldsucher mit Hilfe von Maschinen im Gebiet um Dawson. Ca. 20 Familien versuchen anscheinend noch ihr Glück, mittels Goldfunden zu Geld zu kommen.

 

Unten seht ihr ein Modell eines solchen Schwimmbaggers, im Englischen "Dredge".

 

Wir haben mehrere Stadtführungen mitgemacht, die sehr unterhaltsam von Parks Canada-Führern gestaltet wurden. Unter anderem gelang der Einblick hinter die Kulissen und man durfte alte Artefakte aus den Archiven bewundern. Ich mache es kurz und stelle einfach einige Bilder aus dem Saloon, aus dem Postamt und der Bank ein.

Erklärung: Die Näpfe, die unten an der Bar stehen, dienen als Spucknäpfe. D. h. die Saloonbesucher waren Anhänger vom Kautabak.


Ups, so schnell ist der Juni vergangen. Nun sind wir schon 50 Tage unterwegs. Es kommt einem gar nicht so lange vor. Die vielen kleinen Abenteuer sind einem ganz lebendig im Gedächtnis.

Es geht weiter mit dem Juli 2016...