31.03. - 5.04. 2021    Raus aus den Bergen und an die See - Swakopmund

 

Es war uns klar – Swakopmund würde für uns ein (Wieder-) Eintauchen in “Zivilisation” bedeuten. Zumindest, wenn man unter Zivilisation ein gutes Angebot an Bäckereien, Restaurants, einer Flaniermeile und einem Museum versteht. Das fängt auch schon mit dem Campingplatz “Alte Brücke” an. Aha, hier wird außer englisch und afrikaans auch deutsch gesprochen. Jeder hat sein Toiletten- und Duschhaus, eigene Grillecke mit Kamin und Terrasse und Abwaschbecken im Außenbereich. Da hat doch der Deutsche wieder seine kleine Heimatburg und nistet sich ein. Wobei man aber sagen muss, dass auch Namibianer oder Südafrikaner diesen kleinen Luxus genießen. An Karfreitag füllte sich der Campingplatz zusehends mit Urlaubshungrigen aus Windhoek und als eine Gruppe von 15 Freizeitgenießern all ihre Zelte lautstark gegenüber von uns aufbauten, sind wir dann freiwillig eine Reihe weiter gezogen – in der Hoffnung, dort auf mehr Ruhe und weniger Party zu stoßen.


In der kleinen Stadt Swakopmund mit ca. 45.000 Einwohnern findet man überall Zeugen der deutschen Vergangenheit zu Zeiten der Kolonie Südwestafrika. Da ist das stattliche Woermann-Haus (Bild 1, mit Turm), das früher dem Hamburger Kaufmann Woermann gehörte, unter dessen Namen viele Schiffe auf den Meeren fuhren. In ähnlichem Stil sind weitere Stadtvillen zu entdecken und selbst Neubauten scheinen diesem kolonialen Baustil untergeordnet zu sein.

 

Der echte deutsche Geist weht dann auch in Raiths Bäckerei, wo die Augen immer größer werden. Richtiges krustiges Vollkornbrot, Mohnstrudel und anderes Kleingebäck – ich musste mir erst einmal etwas zum Sofortverzehr kaufen und setzte mich bei Raith auf einen Barstuhl am Bürgersteig. Ja, das schmeckt nach deutscher Heimat.

 


Die Frage ist, wie viel und wie lange von diesen deutschen Sitten und Angeboten man Gebrauch machen möchte. Biergärten, Promenade und Cafés, Buchhandlungen mit gutem Sortiment. Es ist alles einmal erkundet und die Overlander-Seele dürstet dann wieder nach dem afrikanischen Outback und ein bisschen mehr Natur, Abenteuer und Wildheit.

 

Swakopmund erfüllt für viele Namibianer die Vorstellung eines traditionellen Urlaubsortes. Die Stadt war in seiner Frühzeit, also um 1900, viele Jahre der Hafen für die deutsche Kolonie, über den die Waren aus Deutschland eingeführt wurden. Über Walvis Bay ging es nicht mehr, denn dieser Hafen war schon über 20 Jahre zuvor durch Besetzung in den Besitz der Südafrikaner gefallen.

Nachdem der erste Weltkrieg verloren war, gab es keinen Bedarf mehr für einen eigenen Hafen. Diese Funktion erfüllt heute bis heute Walvis Bay (80.000 Einwohner), der einen größeren Exporthafen darstellt. Vor der Küste stehen zudem mehrere Plattformen, an denen fremde Reedereien mit kostengünstigen Liegegebühren ihre Schiffsreparaturen erledigen können. Dazu werden oft eigene Reparatur-Teams eingeflogen.

 

Um zu überleben, hat sich Swakopmund zum Urlaubsort umgebildet und lebt von den jährlichen Touristenströmen, besonders zu den Urlaubszeiten der Namibianer oder Südafrikaner.

 

 

 

Im Museum am Leuchtturm von Swakopmund tauchen wir ein in die Geschichte der Kleinstadt und begeben uns auch in eine Ausstellung zu den verschiedenen Völkerstämmen in Namibia. Der Besuch war aufschlussreich und hat ein besseres Verständnis um die verschieden Kulturen des Vielvölkerstaates Namibia hinterlassen. Wie auch in Südafrika, gibt es durch das Einkommensgefälle zwischen Stadt und Land Druck auf die wenigen wirtschaftlichen Zentren in Namibia. Wir hören auch, dass von Angola oder Zimbabwe fremde Arbeiter auf den Arbeitsmarkt drücken. Das bedeutet in den Townships Konfliktpotential und Kampf um Beschäftigung.

Wir haben einen Schwarzfisch (so sehen wir das...) am Strand bei einem schwarzen Angler ergattert. Er wird hier auch als Galjoen bezeichnet und soll ein vortrefflicher Speisefisch sein. So 1 kg würde der Prachtsbursche auf die Waage bringen, schätzten wir. Das weiße Fleisch war etwas fest, aber der Geschmack des in Butter gedünsteten Fisches war super. Gekostet hat uns das Flossentier 100 Rand - also um die 5 Euro. Der schwarze Angler hat uns den Fisch bereitwillig angeboten und wir fanden, dass beide Seiten einen guten Deal gemacht haben.

Mit Kevin zwischen Seehunden paddelnd unterwegs

 

Es war mein Osterggeschenk - eine Paddeltour mit Kevin von Ecomarinekayaking.com. Und damit es besonders individuell wurde, hatte ich das Glück, dass nur Kevin und ich unterwegs waren. Ostersonntag scheint für manche der Tag zum langen Ostereiersuchen zu sein. Wir suchten dafür Seehundkolonien, eventuell auch Delphine und Wale. Die beiden Letzteren gab es heute nicht. Dafür einige Schakale, viele Seevögel und eben die Cape Fur Seals, die entlang Walvis Bay einige Kolonien haben. 

 

Ich habe viel von Kevin gelernt, der das Hobby Ornithologie hat. Welche Vögel wann migrieren, z. B. die Seeschwalben,  und dass sich die Flamingos eigentlich jetzt hauptsächlich in der Etosha und in Gebieten Botswanas aufhalten. 
Ein Seehundmännchen kann in seinem Harem bis zu 60 Weibchen haben - absolut potenzstark! Jedes Weibchen hat ein Junges, die sogenannten Heuler und betreut auch nur dieses. Es gibt keine Ammen, aber es gibt Kindergärten, in denen die Kleinen beaufsichtigt werden, wenn Mami zum Fischfang raus in die See geht. Die Kleinen werden zehn Monate lang gesäugt, leider schaffen es nur ca. 50 % der Kleinen zu überleben. Nicht alle sind stark genug. Vielleicht liegt es am Nährstoffmangel (zu wenig Fischschwärme vor Ort), denn Fressfeinde gibt es in der  Walvis Bay nicht. Das wären z. B. Orcas, die hier nicht vorkommen. Aber es gibt die Müllmänner und das sind Schakale. Kevin meinte scherzhaft (aber es stimmt...), dass diese Schakale auf Grund ihres omega 3-Fettsäure-Futters (tote Heuler) total gut im Futter sind und ein tolles Fell haben. Die Bilder bestätigen es.

 

 

Walvis Bay ist auch bekannt für seine Flamingo-Kolonien. Derzeit sind aber jahreszeitenbedingt noch die meisten Flamingogruppen im Etosha Nationalpark oder dem Okavango Delta in Botswana. Es gibt die Lesser Flamingos (Zwergflamingos mit schwärzlichem Schnabel) und die Greater Flamingos (zu erkennen am roten Schnabel).

 

05.04.2021   Von Swakopmund in die Hauptstadt Windhoek

 

Windhoek naht und damit die Möglichkeit, Freundin Marliese mit ihrem Mann wieder zu sehen. Die Beiden passen als Nachbarn und Freunde auf unser Haus auf. Das übernimmt aber jetzt Sohnemann Lutz und somit konnte Marliese für sechs Wochen in ihr Heimatland reisen.
Nach einem gemeinsamen Abend beschlossen wir am Folgetag eine Stadttour zu machen. Glück für mich, solch erfahrene Stadtführer dabei zu haben.
So erfahre ich, dass man von dem Unabhängigkeitsdenkmal "Kaffeemühle" (s. erstes Bild) hinunter in die Alte Feste schauen kann. Dort steht das Reiterdenkmal, das an die ehemalige deutsche Schutztruppe erinnert. Man hat es in einer schnellen Aktion von seinem ehemaligen Standort vor der Kaffeemühle in diesen Innenhof transportiert. Wie steht es um die Verarbeitung der geschichtlichen Vergangenheit um Deutsch-Südwestafrika?

 

Auch wurde ich darauf hingewiesen, dass die deutsche Flagge als Teilnehmerland der UN-Peacekeeping Mission UNTAG nicht auf der Geschichtstafel im Museum der Kaffeemühle aufgeführt wird. 
Die deutschstämmige Bevölkerung in Namibia macht vielleicht um die 20.000 Bewohner aus. Ganz genau kann man das bei der ethnischen Vermischung heute nicht mehr sagen. Weiße Namibianer bewegen sich bei Zahlen um die 100.000 und das bei einer Gesamtbevölkerung von ca. 2,5 Millionen und einer Landesgröße von doppelter Bundesrepublik-Größe. 

Schaut man aber auf die Unternehmensstatistiken, so fällt der Großteil an Firmeninhabern auf weiße Eigentümer.

 

Neben diesen hard facts war der Gang durch die Innenstadt mit Kernzone Independence Avenue eine amüsante Tour. Leider fehlen derzeit die Touristen als wichtige Kaufkraft und die Zahl der Souvenirstände an der Straße sind zurückgegangen. Aber es bereitete Vergnügen, durch die hochwertig bestückten Craft Center und Kunstgeschäfte zu schlendern, denn es ging beschaulich und ruhig zu.

 

 

 

Aktivitäten rund um unseren Standort Elisenheim bei Windhoek

 

Wir wissen es - vom Elisenheim lässt es sich gut zum Antennenhügel und hinunter zum Damm joggen. Die frühe Morgensonne trägt dazu bei, dass diese Bilder vom Damm entstehen konnten.

 

 

Ich habe mir wieder das Reiten auf Sam's (Samantha) Pferdehof Equitrails gegönnt. Zwei Stunden war ich mit Sam und dem weiteren Reitgast Charles auf dem Farmgelände von Elisenheim und darüber hinaus unterwegs. Wir sind durch hohe Wiesen geritten, haben Bäume "umrundet", um fein gewebten Spinnennetzen zwischen Büschen und Bäumen aus dem Weg zu gehen und haben uns im Traben und Galoppieren geübt. Dabei war ich gestern nicht in Hochform und habe beim Galoppieren einen Steigbügel verloren. Das ist dann ein Gleichgewichtskunststück, nicht gleich vom Sattel zu hopsen. Haben Frosty, mein Pferd, und ich aber gut hingekriegt. Rundum - es war gestern Balsam für die Seele und Abrundung eines schönen Endsommertages.

 

13. / 14.04.21   Am Südrand des Erongogebirges

 

Wir haben uns die Ameib Gästefarm als neuen Standort für Erkundungen des Erongogebirges herausgesucht. Mittlerweile hat sich Hans in die Geologie der verschiedenen Gebirgsformationen Namibias hineingelesen.

 

 

Als wir von unserer Rundtour zurückjoggen, raschelt es im Gebüsch und vier Giraffen kreuzen die Sandpiste. Es ist wie auf einer Safari zu Fuß. Lange betrachten wir die anmutigen Tiere, die uns ihrerseits mit majestätischer Ruhe fixieren.

 

14.04.21   Spitzkoppe - Abendszenario

 

Wir kennen uns im Spitzkoppe-Gebiet schon aus, was wir vor zwei Jahren besucht hatten. Daher sind wir gezielt den Rock Arch am späten Nachmittag angefahren und haben uns mit einem (alkoholfreien) Bier auf unseren Sundowner-Felsen direkt vor der anmutigen großen Spitzkoppe plaziert, um die letzten Strahlen der Sonne zu genießen.

 

15.04.21  Mit Anja, Yves und Elias auf einer 5-Stunden-Wanderung durch die Pontok Mountains

17.04.21   Am Brandberg - wir werden "steinreich"

 

Gut besuchte lokale Restaurants haben ihren Vorteil - man erfährt von den Einheimischen viel zur Region. Und so wurden wir im Restaurant des Brandberg Camps auch darüber informiert, wo man denn gut "Steine klopfen" könnte. In den Gobobasebbergen (s. Karte mit Pfeil), ca. 70 km von unserem Standort Uis (unterstrichen auf der Karte) entfernt. 
Bevor wir losziehen, kaufen wir uns noch diverses Werkzeug, was da heißt: Hammer (1,1 kg, damit Frau den auch handeln kann) und Meißel. Und los geht's...
Die letzten beiden Kilometer der Anfahrt waren richtig Wellblechpiste. dann ging es durch einen Standort mit zwei Wellblechhütten und viel herumliegenden Schrott. Dazwischen bewegten sich zwei kniehohe, bellwütige Hunde, die uns lautstark begrüßten. Bei ihrem Anblick stieg man nicht freiwillig aus dem Auto, sondern fuhr weiter, immer auf die von weitem sichtbare Mine zu. Es ging noch einige steile Serpentinen im Geröll bergan und da standen wir: Direkt vor uns lag ein breites Band mit grauem, massivem Gestein, in dem lauter linsenförmige Löcher herausblickten.

 

Rechts von uns kam uns eine zehnköpfige Minenarbeitergruppe  entgegen, alles Schwarzhäutige Menschen, die wohl ihren Augen nicht trauten, als der Landy mit deutschem Kennzeichen ankam. Wir legten den Arbeitern unser Begehren dar: Gegen ein Entgelt wollen wir einige Stunden auf den Abraumhalden herumturnen und unsere eigenen Steine suchen. Wir haben da gewissermaßen einen Kodex im Urlaub. Es werden keine gekauften Steine als Souvenirs mitgenommen. Entweder findet man individuelle Souvenirstücke oder man lässt das Thema Steine sein.
Ein bisschen handeln mussten wir schon, aber man hat uns vorher eine Preisgröße genannt, die solch ein Hobbysammeln wert wäre. Für 200 Rand (ca. 12 Euro) konnten wir dann zu Zweit ungestört über die Halden stiefeln. Die Arbeiter entfernten sich derweil zur Mittagspause.

 

Schon beim ersten HInsehen hat es überall geblinkt und gelockt. Die Ausschussware der Bergwerksarbeiter war für uns bei Weitem gut genug. Wir waren eher auf Mikrosteine aus - aber der Sammelerfolg übertraf unsere Erwartungen. Es sind einige, in unseren Augen wundervolle, Quartze und Amethysten dabei.

 

 

Eine kleine Auslese aus unseren diversen Fundstücken...

 

 

Ein besonderer Sonnenaufgang am Brandberg

 

Übernachtet haben wir unweit des Bergarbeitercamps. Zuerst war noch lange Hundegebell zu hören, aber dann gab es eine wundervoll ruhige Nacht im Outback (Hinterland). Selbst der böige, heiße Ostwind hatte ein Einsehen und legte sich später. 

 

Welwitschia Mirabilis - ein Überlebenskünstler