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Nervenkitzel

Es darf nicht einfach sein...
Da hat man über Wochen ein ungutes Magengefühl gehabt, weil die Einreise nach Südafrika immer schwieriger wurde und der südafrikanische Staat seit Mitte Oktober 2020 den zunehmend in hohe Corona-Zahlen schlitternden deutschen Staat berechtigt als Hochrisikoland eingestuft hat. Und das heißt für Urlaubsaspiranten, dass die Einreise schlichtweg nicht erlaubt ist.
Nach Recherchen und Nachfragen kam unser Kopf dann mit der Erklärungsvariante zurecht, dass wir ja Langzeit-Reisende sind und da gab es ja diesen Passus in den Einreisebedingungen, der bei längerem Aufenthalt von 3 Monaten und mehr wohl Ausnahmen erlaubte.
Also war doch in unserer Welt wieder alles halbwegs in Ordnung. Bis zu dem Tag des Countdowns. Da organisiert man wie wild, um ja alles zeitgerecht fertig zu bekommen. Man rennt frühzeitig zum Arzt, um sich dem Corona-Test zu unterziehen. Und dann klappt es doch nicht.
Gut, wir haben die Kurve gerade noch genommen. Aber es hätte auch richtig schief gehen können. Und wer hat schon Lust in das eben verlassene Wohnhaus wieder zurückzukehren und das ganze Procedere eine Woche später nochmals durchzuführen? Über die Zusatzkosten wollen wir gar nicht sprechen. Aber lassen wir das. Wenn man sich schon so eine Auszeit gönnt, dann sollte man über Geld auch nicht diskutieren.
Auf jeden Fall war die Nacht vor dem Abflug nicht besonders gut. Es schläft sich nicht recht, wenn man weiß, dass man dieses glückbringende Testzertifikat noch nicht in Händen hält und das man keine Chance mehr hat, noch irgendwo etwas auszudrucken.
Der Countdown ist unerbittlich. Aber dann hat sich doch noch alles irgenwie gefügt. Trotz starker Verspätung im Labor arbeiteten die Maschinen die Tests unermüdlich ab und das Herz hüpfte im Leibe, als die Nachricht am späten Vormittag eintrudelte - und zwar auf einem Bahnsteig Richtung Berlin. Zuerst bimmelte die Corona-App und dann sandte unser Doc im Heimatort auch schon die Testnachrichten. Die Abrundung erfolgte am Schalter von Qatar Airways, die uns eine Mailadresse zum Versenden der Testergebnisse zur Verfügung stellten und wir somit unsere Nachweise erbringen konnten. O-Ton an diesem Vormittag: Es ist uns ein "Brocken" vom Herzen gefallen und wer diesen Harzer Berg kennt, weiß das ganz gut einzuschätzen.
Nach der morgendlichen Aufregung war die Zeit bis zum Abflug richtig erholsam, denn - es war absolut nichts los. Leere Flure auf dem BER Flughafen Berlin-Brandenburg. Wir nahmen dieses so seltene Bild aktiv in uns auf. Corona beschert nicht nur negative Veränderungen des Alltags...


03.12.20  Ankunft in East London...

Südafrika hat uns wieder ....
Nach 30 Stunden Reise incl. Zugfahrt waren wir froh, als wir den Flughafen von East London erreicht hatten. Die letzten 1,5 Stunden im Flieger, typisch afrikanisch dicht Mensch an Mensch gepackt, waren nicht mehr so erquicklich und wurden meist mit Dösen verbracht.

 

Süß – am Haupteingang stand dann auch ein junger Schwarzer mit Schild “Petra Keinhorst” und wartete schon auf uns, um uns zu unserer Pension zu bringen. Das war eigentlich anders abgesprochen. Wir sollten uns nach Ankunft telefonisch melden. Aber so war es uns willkommen und der Fahrer erhielt als Dankeschön ein ordentliches Trinkgeld für die 11 km-Fahrt hinunter in den Stadtteil Westbank. Intensiv hielten wir schon nach Verpflegungsmöglichkeiten für unserer leeren Mägen Ausschau, hatten wir im Flieger doch keine Zwischenmahlzeit mehr.

Eine schwarze Hausdame erwartete uns schon in unserer Unterkunft. Zu unserem Erstaunen wurde hier Fieber gemessen. Jedermann weiß, dass das die Körpertemperatur kein aussagekräftiges Sympton für eine Covid 10-Erkrankung ist, aber wen es beruhigt...

Im Haus war es wunderschön ruhig. Wir sind die einzigen Gäste. Richtig erholsam. Das Guesthouse , zu deutsch Pension, liegt am südlichen Stadtrand von East London. Etwa einen Kilometer vom Hafenzugang entfernt und noch besser – etwa 300 m entfernt von Ena Horak, unserer Logistikagentin, die alles mit Hafen und Zoll managt. Und so kam Ena dann auch gleich herunter und wir trafen die ersten Absprachen bezüglich der morgigen Abholung des Fahrzeugs. Alles fügt sich wunderbar. Unser Schiff “Morning Lucy” hatte nun so viel Verspätung, dass es am frühen Morgen des 4. Dezembers, also am morgigen Tag, andocken sollte. Gerade noch rechtzeitig vor dem Wochenende und durch die frühe Entladung noch so in der Zeit, dass wir das Fahrzeug wohl gegen Mittag aus dem Hafen herausbekommen sollten.

 

Wir sind ja nicht gerade zimperlich, was körperliche Aktivitäten anbelangen. Doch wir hätten vielleicht doch Enas Angebot annehmen sollen, uns zum nächsten Schnellrestaurant, einem KFC, zu bringen. Denn es stellte sich dann doch als ordentliche 5t km-Tour heraus und war unangenehm, weil wir ein Drittel an dem sehr stark befahrenen Settlers Way zu gehen hatten. Und glaubt nicht, dass wir irgendwelche Gehwege zur Verfügung hatten! Der Imbiss hatte nur Take-Away. Also keine Sitzmöglichkeit. Wir nahmen unseren Familieneimer mit Hähnchenstücken (Hans hatte Hunger!) mit auf eine grüne Wiese. Und es dauerte nicht lange, da saßen wir zu Dritt auf der Wiese. Ein hübscher Vierbeiner gesellte sich zu uns. Seine Rechnung ging auf. Alle Hähnchenknochen verschwanden im Magen des Hundes und auch so manches Extraleckerli flog in seine Richtung. Die Inhalte des besagten Familieneimers begleiteten uns dann noch weitere 2 Mahlzeiten lang. So ist es, wenn man hungrig einkaufen geht....

 

 

Am Morgen des nächsten Tages bekamen wir ein englisches Frühstück in unserer Pension serviert. Alles frisch besorgt und nett zubereitet von unserer schwarzen Hausfee. So nebenbei plauderte man etwas und erfuhr, dass sie vier Mädchen hat, die teils schon erwachsen sind und gute Schulausbildungen hatten. Die Oma kümmert sich um die Mädels in einem anderen Stadtteil von East London. Der Mann arbeitet in King Williamstown, bestimmt 50 km entfernt. Sie wohnt unweit des Guesthouses und ist in der Regel hauptsächlich für das Reinigen der Räume zuständig. Die waren auch tippitoppi sauber. Das wir nicht kreativ genug waren, das Warmwasser zu finden, ist unsere Sache. Es kommt oft vor, dass WARM und KALT im Wasserhahn vertauscht sind. So auch hier. Hätte Petra mal lange genug den Kalt-Wasserhahn der Dusche laufen lassen, dann wäre das Duschen und Haarewaschen auch etwas angenehmer vonstatten gegangen.

04.12.20  Wir übernehmen Lissy...

Ich nenne unseren Landrover Lissy. Er, nein Sie, muss eine Frau sein, denn sie möchte ganz vorsichtig gefahren werden. Sonst hoppelt und bockt Lissy und das ist für alle Wageninsassen unangenehm. Also niemals treten und schon gar nicht mit Wanderstiefeln fahren. Dann hat man nämlich kein Gefühl für Lissy...

 

Wir haben totales Glück -  unsere Ankunft in East London am 3.12. und gleich am nächsten Tag kommt unser Schiff 'Morning Lucy' mit dem Auto an. Gegen Mittag sollen wir es übernehmen können, meint Ena Horak, unser 'Shipping Agent" von Lonrho Logistics.

 

Dazu gibt es natürlich eine Anekdote:

 

Tag X für den Empfang unseres Landrovers. Zuvor sind wir noch mit Ena in ein Einkaufszentrum gefahren. Ich hatte den Wunsch, noch eine afrikanische Sim-Karte für mein Handy zu besorgen. Das ging auch komplikationslos vonstatten. Wenn etwas so locker geht, ist meist ein Haken dran. So auch hier. Ich bat darum, dass man mir gleich Telefonzeit auf die Prepaid-Karte auflädt. So um die 10 Euro wollte ich schon auf der Karte haben, um mal schnell Unterkünfte buchen zu können. Die Lady Chendre, in ihrer Funktion Consultant genannt, nahm das Geld in Empfang und ich vertraute darauf, dass mir die Summe auch gut geschrieben wurde. Schließlich befanden wir uns hier in einem Vodacom-Shop, einem renommierten Mobilfunkanbieter in Südafrika. Das Ganze geschah im Vertrauen ohne Quittung, denn sie sollte schließlich die Aufladung ausführen. Am Nachmittag war immer noch keine sogenannte Airtime auf dem Handy gutgeschrieben und so langsam wurde ich sauer auf mich, dass ich keine Quittung verlangt hatte. Die Geschichte findet noch eine Fortsetzung.

 

Weitaus erlebnisreicher hatte es Hans. Denn er hatte beschlossen, zur Unterstützung Enas mit in den Hafen zu fahren. Schon im Vorfeld hatten sich Anzeichen ergeben, dass Schwierigkeiten zu erwarten waren. Man wollte plötzlich ein Bild unseres Landys für die Hafenbehörden haben. Sie glaubten wohl nicht der Einstufung “Camper” und titulierten unser Fahrzeug als Privatfahrzeug. Das gibt dann einfach Gebührenaufschläge. Dabei ist der Landy natürlich als Campingfahrzeug steuerlich in Deutschland laufend. Da sparen wir eine Menge Kfz-Steuer. Bett, Kocher, kleiner Tisch über der Cubby-Box (sprich Holzbrett) sind vorhanden und auch die Kühlbox ist angeschlossen. Also alle Voraussetzungen erfüllt.
Die Zollabnahme war auf 13 Uhr terminiert. Das sollte man locker sehen. Auch der Zoll erlaubt sich afrikanische (Nach-) Lässigkeit. Was dann aber aus dem Auto als Zollautorität ausstieg, entsprach mehr der Besetzung eines afrikanischen Kulturevents. Vier schwarze Damen in Folklorekleidung (vielleicht unterstreicht das die Zollautorität in afrikanisch-kultureller Weise?!?) entstiegen dem Fahrzeug. Dass man die Zollbehörde vor sich hat, war gerade mal an den schwarzen Masken mit dem Aufdruck “Customs” (=Zoll) zu entnehmen. Ach ja, und eine Dame hatte ein T-Shirt mit dem gleichen Aufdruck angezogen. Wie Ena schon vorher bemerkte, ging es dabei den Damen nur um den Abgleich der Motornummer (nein: nicht Fahrgestellnummer) und nach dem Blick unter die Motorhaube und Erkennen der Nummer entschwanden die afrikanischen Schönheiten auch schon wieder. Denn... es war Freitagmittag.... und der Gang in das Wochenende stand an. Das hatte Ena vorher richtig einkalkuliert, dass es keine lange Prüfung des Wageninhaltes geben würde. Sonst hätten wir vielleicht auch unsere Gasflaschen, unsere umfangreiche Apotheke oder auch die Lebensmittel wie Kaffee oder Tee deklarieren müssen. Richtig eingeschätzt: Weder in Bremerhaven noch in Südafrika interessierte man sich für all die guten Dinge im Bauch unseres Landys. Recht so.

 

 

05.12.20 Mit Lissy Unterwegs nach Maclear

Am Morgen des 5.12. geht es los. Endlich sind wir unterwegs! Und das relativ unbelastet von Corona. In unserer Unterkunft in East London haben wir Maske getragen.  Und in den Geschäften war das Masketragen auch obligatorisch. Fastfood-Restaurants hatten nur den Drive-In Teil offen. Aber sonst war nicht viel von der Corona-Situation zu bemerken. Die Tagesgeschäfte laufen wie üblich. Und je weiter wir auf dem Weg in ländliche Gegenden sind, umso mehr scheint der Spuk von Corona zu verschwinden.

Wir fahren nach Nordwesten in Richtung der Drakensberge. Und das ist gut so. Denn zuletzt haben wir gehört, dass im Südwesten rund um Port Elizabeth herum, also auch in der Nähe des Addo Elefanten-Nationalparks neue Corona-Lockdowns zu erwarten sind, weil dort die Zahlen steigen. Nur weg von größeren Städten...

 

Eindrücke und Schnappschüsse aus dem Auto:
Autobahn N3 und Schweinchen auf der Straße sind hier kein Widerspruch.

Unsere erste Station ist die Tortonis-Farm in der Nähe von Maclear. Wir kommen nach einem kleinen Unwetter an. Überall liegen noch Blätter der Bäume, die durch den Hagel zerfetzt umhergeweht wurden. Donald und seine Frau sind schon da und wir erhalten erste Informationen zum Campingplatz. Es ist Samstagabend und die die Farmeigner sind ausgegangen. Hier nimmt man alles locker. Ist keiner da, dann schiebt man die Campinggebühr in Cash einfach unter der Tür durch...

SommerGewitter

Das Wetter ist sehr abwechslungsreich. So lieben wir es. Im Auto ist man ja auch gut geschützt. Auf dem Weg nach Kokstad mit Ziel Mt. Currie Nationalpark kommen wir in ein kleines Unwetter. Als die Straße voller Hagel bedeckt war, stoppt der Verkehr erst einmal an einem steilen Anstieg. Wir scheren aus und bereiten einen kurzen Imbiss zu. Erst als alles sich wieder in Bewegung setzt, beginnen auch wir mit der Weiterreise.

07.12.2020  Wir erkunden Kokstad und das Mt. Currie Naturreservat

Das Vogelleben hier in diesem Teil von Südafrika ist sehr vielfältig und fällt durch seine Buntheit auf. Dies hier ist zwar nur ein Webervogel (bekannt durch ihre geflochtenen Rundnester), aber ein besonders farbenprächtiges Exemplar. Es macht einfach Spaß, die Gegend nach Tieren zu erkunden.

Die Wasserwelt zeigt auch manch besondere Exemplare. Hier eine große Krabbe und ein Frosch, der sich im Gegensatz zu seinen Kumpanen mal öffentlich zeigte.

Dies hier ist ein "Long Tailed Widowbird". Er fällt durch seine schwerfällige, aber tanzende Flugweise auf. 

Hans ist glücklich. Die absolute Ruhe im Naturreservat und ein Campingplatz, den wir als Alleinherrscher bevölkern, bringen viel Erholungsgewinn. Wenn der Göttergatte gute Laune hat, dann ist das akustisch bemerkbar. Fröhliches Pfeifen signalisiert mir, dass wir es richtig gemacht haben, den Absprung aus unserem (Corona-) Dasein in Deutschland zu vollenden.

Hier ist Hans vertieft in ein Hobby - Sudokus enträtseln. Als hätten wir nicht schon genug Kopfkino. Es tut gut, veränderten Bedingungen ausgesetzt zu sein und jeden Tag neue Aufgaben bewältigen zu müssen - auch wenn sie ganz klein sind. Wir spüren deutlich, dass Anpassungsleistungen wichtig sind, um uns geistig fit zu halten. Das Körperliche kommt auch nicht zu kurz. Am ersten Tag eine 12 km Erkundung. Am nächsten Tag ein 10 km Jogging mit Berganteil und am dritten Tag die Wanderung auf den Mt. Currie. Es scheint, als sind wir bei dieser Tour agiler und erkundungseifreiger als zuvor im Jahr 2018 bzw. 2019.

09.12.2020 Wanderung zum mt. Currie

Er blickt uns einfach an... der Mt. Currie. Und es scheint so einfach zu sein, die Wiesen auf seiner Schulter einfach hochzustapfen. Egal, auch wenn es keine Wege gibt. Letzten Endes waren die rund 800 Höhenmeter aber doch etwas strapaziöser als gedacht und das war so, weil das Gelände einfach doch nicht so wegsam war wie gedacht. Der Lohn waren neue Blumen, die wir entdeckten. Der Bergsommer ist in voller Pracht erblüht und es duftet hier und dort richtig blumig und auch würzig.
Der Rückweg ist von uns nicht ganz so klug ausgesucht worden. Wir mussten durch ein buschbesetztes Gelände und da bliebt nichts anderes übrig, als sich im Steilhang durch die Büsche zu kämpfen und sich an den Büschen hinunterzulassen.
Schade, dass der Mt. Currie so wenig begangen wird. Ein netter Berg mit nicht zu anspruchsvollem Anstieg auf die rund 2.200 m und toller Rundumsicht. Wir brauchten inclusive Pausen knappe 6 Stunden.

Panorama von einem Vorgipfel.

Die Heuschrecken sind in Südafrika  besonders bunt. Hier eine "Bunte Riesenheuschrecke", die in den Bergen öfters anzutreffen war.

Eine bunte Bergblumenwelt erwartete uns am Mt. Currie.

Ich liege immer mit offenen Zeltausgang zum See (auch nachts), damit ich der Vogelwelt lauschen kann und die Tiere auf dem Wasser beobachten kann. Es ist paradiesisch. So viele unterschiedliche Vogelstimmen: Da ein Glucksen, dort ein Nachtigall-ähnlicher Ruf, dann viele bunte Vogelblitzlichter am Himmel und in den Bäumen. Dann das Entengeschnatter und das Platschen, wenn ein Wasservogel wieder mal auf der Wasseroberfläche anlandete. Und kein menschlicher Laut...

Das ist kein Abendszenario. Nein - es ist der Sonnenaufgang am Morgen zu Füßen des Mt. Currie. Man wacht hier früh auf, so spätestens um 5 Uhr und ist dann auch zu Taten bereit. Denn noch ist es kühler und man gerät beim Sport nicht so schnell ins Schwitzen. Dafür ist man abends um 21:00 Uhr dann auch bereit, die Beine lang zu strecken.

10.12.2020  Berge in Flammen - die Lilien Blühen

Kaum angekommen in unserem neuen Domizil "Khotso Lodge and Horse Trails", haben wir uns am Nachmittag Richtung Garden Castle Nationalpark in Gang gesetzt, um etwas die Gegend zu erkunden. Schon von weitem sah man die roten Berghänge. Beim näheren Hinsehen konnten wir die Lilienfelder erkennen, die sich bis hinein in die Talengen Richtung Rhino Peak zogen.

11.12.2020  Khotso Horse Farm - Reiten mit Jack

Gestern arrangiert und alles klappte . Ich bekam entgegen der sonstigen Rituale einen Alleinritt mit Jack. Die zwei Stunden waren harte Arbeit für meinen Allerwertesten. Ich war es schlicht nicht mehr gewohnt, so lange in einem Sattel zu sitzen und hatte zudem auch nicht die beste Ausführung eines englischen Sattels unter mir. Aber ich kam wieder rein und Jack ging willig auf meine Bitte ein, immer wieder Galoppsequenzen einzulegen. Rupert, mein Wallach, folgte bereitwillig meinen Signalen. Wir umrundeten auf den Hügeln das Farmgelände und ich bekam einen Eindruck der riesigen Ländereien.

Reiten mit Rupert in den Hügeln von Drakensberg Gardens
Reiten mit Rupert in den Hügeln von Drakensberg Gardens

Wir fühlen uns auf der Khotso Pferdefarm wohl

Hinterher Arbeiten in den Aufenthaltsräumen von Kothso Lodge and Horse Trails
Hinterher Arbeiten in den Aufenthaltsräumen von Kothso Lodge and Horse Trails
Es kann regnen, egal - wir haben immer unsere kleine Küchenunterkunft mit Außensitz. Rundherum tummeln sich die Webervögel und anderes Flügelgetier wie z. B. "unsere" Hühner, die natürlich auch einen Happen von unseren Mahlzeiten abbekommen wollen.
Es kann regnen, egal - wir haben immer unsere kleine Küchenunterkunft mit Außensitz. Rundherum tummeln sich die Webervögel und anderes Flügelgetier wie z. B. "unsere" Hühner, die natürlich auch einen Happen von unseren Mahlzeiten abbekommen wollen.

13.12.20  Reiten satt am Sonntag

 

Es ist Sonntagmorgen und ich saß im Aufenthaltsraum von Khotso. So ganz nebenbei wurde ich gefragt, ob ich nicht zu einem 5-Stunden-Ritt Lust hätte. Und WIE...
Lodewig und Clifford hatten sich für die sogenannte Ganztagestour mit Lunch zwischendrin eingebucht und flugs war ich bei Hans, um ihn von meinem Vorhaben zu überzeugen. Schnell in die Reithose (Bikehose zur Abpolsterung auch...) und nix wie los zum Reitplatz. Wie immer bekam ich Rupert. Ob das ein gutes Omen war für diesen Tag - darüber mag man streiten.

Wir haben eine komplett andere Route eingeschlagen, die uns mehr in Richtung Garden Castle führte. An steilen Abhängen führte der Weg westwärts. Zuerst an den Blue Pools, kleinen Badepools, vorbei und dann in einen Seidenkiefernwald. Immer wieder fragte Jack uns, ob ein Galoppieren ok sei und wir stimmten ein. Anfangs noch mit etwas schummrigem Bauchgefühl und hin und wieder ein Zupacken am Sattelgriff. Aber dann wurde man zunehmend vertrauter mich der sehr hüpfenden Galoppweise meines Pferdes. Wichtig - Schwerpunkt runter. Ich habe dafür gesorgt, dass die Steigbügel lange genug eingestellt wurden, um mir mehr Sicherheit bei den vielen Galoppphasen zu geben. Ja, das ist Afrika - hier muss man natürlich auch ein sogenanntes Liability-Formular unterschreiben und die Selbstverantwortung übernehmen. Aber ohne Augenzucken setzt man hier zum Traben oder Galoppieren an und Lodewig als Anfänger hält munter mit. Absolut tapfer, der Junge.

 

Nach 3,5 Stunden machen wir an den O'Brien Falls Mittagpause und Jack holt das große Lunchpaket heraus. Jeder hat sich vorher einen Drink aussuchen dürfen und wir sitzen bei tollem Wetter am Pool des Wasserfalls. Jack nimmt uns die Pferde ab und absentiert sich etwas, um uns ungestört beim Picknick zu lassen. Ich suche mir einen Platz oberhalb des Wasserfalls, um die  Blase zu erleichtern. Als ich herunterkomme, höre ich die Nachricht: Petra, Du bist ohne Pferd. Rupert hat beschlossen, nach Hause zu galoppieren. Und Jack überließ die restlichen Pferde den Jungs, um Rupert wieder einzufangen. Dass das nicht so ganz leicht sein würde bei einem Wallach, der beschlossen hat, ohne Reiter davonzurasen und die Heimat riecht (ohne Beschwerung), war klar. So dauerte es auch über eine halbe Stunde, bis ein nassgeschwitzer Rupert samt kopfschüttelndem Jack wieder ankam. Rupert, falsche Taktik. Heute gibt es doppelte Arbeit, denn Jack konnte diesen Ausreißer nicht durchlassen.

 

Auf dem Heimweg mit Schakalbegegnung, Eulen im Wald und viel Naturgenuss frozelten wir über Rupert. Vielleicht ist er ein Homosexuell Gearteter und mag keine Frauen? Oder vielleicht hatte er wirklich einen plötzlichen Hormonschub und wollte losgaloppieren oder ist es einfach überdrüssig, mit Last umherzuwandern? Wir wissen es nicht. Jack zieht seine eigenen Schlüsse und wird Rupert in Zukunft besonders beäugen....

16.12.2020  ERkundung der Umgebung: Bushman's Nek

Auf der Fahrt zum Garden Castle Gebiet kamen wir schon am Abzweig zu Bushman's Nek vorbei. Der Name klingt malerisch und Steve erklärt uns, dass sie ihre einwöchigen Losotho-Pferdetouren immer von dort aus starten, um dann nach Losotho hinein zu reisen. Dass am Bushman's Nek eine große Grenzpolizei-Station ist, hat uns verwundert. Keine Straße führt über den Pass - was will man hier?

 

Wir starteten eine kleine Umgebungstour, um festzustellen, dass in unserer "Heimatecke" Garden Castle eine deutlich abwechslungsreichere und auch flora-ergiebigere Welt zu finden ist. Wie überall, sind die Wege in der fernen Vergangenheit angelegt worden und seither hat man keine Veranlassung gesehen, die Schilder neu zu bepinseln geschweige denn die Wege zu warten.

 

Bei einem netten Mittagsmahl im nahegelegenen Resort hatten wir dann doch unseren ganz besonderen Spaß. Eine Frauengruppe von gut 10 Frauen feierte ein Ereignis. Wir wir von unserem Kellner erfuhren, wird die nahe Geburt eines Kindes gefeiert. Seltsam - schon vor der Geburt? Wir lernen neue Kulturbesonderheiten kennen. Allerdings wohl eher die Besonderheiten einer begüterten Schicht, die sich solch eine Feier leisten kann.

Wir haben Urlaub...

Rituale entwickeln sich...

 

Wenn man sich in einer Gegend wie die südlichen Drakensberge ('The Berg') einlebt, dann entwickelt man auch beständige Anlaufpunkte. Ein Ritual ist Einkaufen gehen in Underberg und gleichzeitig einen Kaffee in der 'Olde Duck' einnehmen. Dort unter den alten Bäumen zu sitzen, den echt guten Kaffee genüsslich zu sich zu nehmen und die Familien zu betrachten, die oft dorthin zum Picknick kommen - das hat echt eine besondere Würze und erinnert mich ein bisschen an alte Kolonialromantik.

Kronenkraniche auf den Wiesen.

17.12.2020     Besuch in einem Nachbartal - Lotheni

Unser Landy Lissy hatte zu tun. Ca. 50 km Pistenfahrt mit vielen Schlaglöchern. Das war eine Aufgabe. Und nicht nur Lissy, auch die Fahrer mussten voll konzentriert ans Werk. Ziel war das Naturreservat um Lotheni.

 

Wir haben eine Gruppe Südafrikaner getroffen, die sich in Lotheni eingemietet hatten und an unserem Besuchstag auf einer Wanderung voll vom Regen erwischt worden sind. Lustig - ein Teil der Südafrikaner hat seine Wurzeln in Herzogenaurach und das Deutsch wurde noch recht gut gesprochen. Die nasse Kleidung hielt die Kids nicht davon ab, aufs Autodach zu steigen und zurück zur Unterkunft zu schaukeln.

 

 

18.12.2020   Wanderung von Garden Castle zum Sleeping Beauty Cave

Hans wollte nun schon zum dritten Mal in Richtung Pillar Cove starten. Ich befürchtete, dass er dann wohl nicht mehr den "Hunger" haben würde, den Rhino Peak (3.056 m) zu besteigen, der über den Pillar Cove und den Pillar Annex auf die Schulter des markanten Rhino-Gipfels führt.

Also plädierte ich für die Variante zum Sleeping Beauty Cave - und wir wurden nicht enttäuscht. Es gab eine noch größere Diversität an Bergblumen. Wir kamen nur langsam voran, so fotogen zeigte sich die Flora.

Lilien dominierten auch hier die Berghänge. 

Es war warm und die kleinen Pools im Bach luden zum Baden ein...

'Unsere' Tiere auf der Khotso-Farm ... Oder Leben auf einer Tierfarm

Pebbles


Sie ist eine absolute Kuscheldame und bleibt auch gerne mal auf dem Arm. Wenn man mal das Gefühl hat, man braucht ein bisschen Liebe und Schnurreinheiten, dann ist Pebbles absolut die Richtige. Sie sieht aus, als wäre sie eine Norwegisch-Langhaar-Katze. Habe noch nicht herausgefunden, welcher Rasse sie entstammt.
Wenn ich abends warte, bis ich so manche Nachtvögel in meiner Familie in Deutschland erreiche, liegt Pebbles neben mir auf dem Sofa im Loghouse von Khotos und schnurrt mir etwas ins Ohr.

Ana

 

Was wäre die Khotso-Farm ohne Ana! Sie ist eine anatolische Schäferhünding und jeder Schakal überlegt es sich dreimal, bevor er mit Ana einen Kampf anfängt. Sie fährt Nachtschichten. Oft hört man sich abends bellen, wenn sich irgend etwas der Farm nähert. Sie passt auf die Schafherde auf und schützt die Farm. Andererseits ist sie so kuschelig. Man glaubt gar nicht, dass sie eine Art Schutzhund ist. Und - man kann sie auch bestechen. Sie hat von uns die Reste unserer Hähnchen bekommen und hat es ohne Augenrollen verdrückt. Eine total zuverlässige Hündin, die man meistens in Begleitung von Steve Black, dem Eigner von Khoto anzutreffen. 

 

Vera

 

Vera ist die Verschleckte unter den Border Collies und treibt sich gerne um uns herum (Gibt ja auch meistens etwas...). Sie begleitet aber auch oft Steve. Ansonsten ist ihr Charakter sehr zurückhaltend im Gegensatz zu Karoo, dem anderen Border Collie, der am liebsten ständig dem Stöckchen hinterherlaufen würde.

Karoo

 

Karoo ist mein geliebter Spielgefährte. Ganz oft kommt er zu mir und bringt ein Stöckchen mit.

19.12.2020   Khotso Run and Tube

Es hat gestern richtig heruntergeregnet und der Fluss ist voll. Heute Morgen ist das Wetter super, Sonnenschein und auch schon ordentlich warm mit über 20 Grad. Und es gibt ein richtiges Kabbelwasser auf dem Fluss. Also steht fest: Ich mache mit beim Khotso Run 'n Tube, einem Spaßrennen über 6 km mit einem ca. 1 km langen Tube-Anteil, bei dem man auf dem Fluss heruntertreibt. Wer schneller sein will, muss mit seinen Händen paddeln...

 

Es gibt dann noch die harte Variante über 16 km. Die kenne ich schon vom Ausreiten und muss sagen: So fit bin ich derzeit wirlich nicht, dass ich diese bergreiche Variante gut überstehen würde. 

 

Ein bisschen Renn-Atmosphäre war es dann auch am frühen Morgen mit Musik zum Aufputschen. Alles lief recht locker. Man schaute auf Abstand und verteilte sich über die ganze Wiese. Steve, der sehr engagiert das Rennen mit Sarah zusammen organsiert hat, war überall dabei und half und beantwortete Fragen:

 

Steve ist immer schon viel gerannt und hat viele Ecken von Südafrika, auch in Weitstrecken-Rennen und persönlichen Joggings, aberannt. Zum ersten Mal findet nun auch ein Fun-Race auf seinem Gelände statt. Und das Tolle ist definitiv der Tubing-Part.

 

Jordyn und Kaley machen gerade vor dem Studium eine freiwillige Praxiszeit auf Khotso und waren fest eingebunden in die Unterstützungsarbeit.

Ich habe meine wasserfeste Olympus-Kamera mitgenommen und so gelangen mir auch Aufnahmen vom Wasser.

Ich habe Robyn und ihre Freundin vor dem Lauf getroffen und wir haben uns danach noch unterhalten. Zwei Farmerfrauen, die mitten im Leben stehen...

20.12.2020  Wir peilen den Rhino Peak an und laufen im Nebel glatt daran vorbei....

Klar - der Rhino-Gipfel mit seiner markanten Erhebung um die 3.056 , ist ein Hiker-Ziel. Nicht zuletzt nach dem Rhino-Challenge-Lauf war dies einer unserer sportlichen Ziele. Ein bisschen Magengrummeln entstand bei den Leistungsanforderungen: ca. 21 km und um die 1.250 Hm. Dass dann daraus 25 km und 1500 Hm wurden, war nicht unsere Absicht, sondern lag an diversen Konstellationen...

 

Aus meinem Tagebuch:
Ich wollte ihn, den Rhino-Peak.

 

Schon am Anfang bemerkte ich, dass es nicht mein bester Tag ist. Bei jedem Anstieg ging sofort das Keuchen los und nach gut einer Stunde hing ich immer noch in größerem Abstand hinter Hans her. Allerdings musste ich einfach immer wieder stehen bleiben und die Bergwelt ablichten. Wir hatten wunderschönen blauen Postkartenhimmel und die Morgensonne leuchtete das sattgrüne Relief der Berge herrlich aus. Man konnte sich nicht sattsehen an der Fauna, die von dem täglichen Regen profitierte.

Bei der ersten Pause bekam ich dann meine Quittung: “Du pfeifst aber aus dem letzten Loch”. Das Gepuste von mir erregte bei Hans wohl Befürchtungen, dass meine Konstitution heute nicht mithalten könnte. Rein akustisch könnte er recht haben. Aber da war immer noch genügend Ausdauerleistung vorhanden...

 

Beim Anmarsch durch das Tal des Garden Castele wurde uns dann auch immer klarer: Die angegebenen 10 Stunden Wegzeit für den Hin- und Rückweg hatten schon irgendwo ihre Berechtigung. An der Pillar Cove (einer Höhle) kamen wir nach einer Stunde an. Immerhin hatten wir der Standard-Marschzeit eine halbe Stunde abgerungen. Eine Gruppe mit Jugendlichen und Erwachsenen machte sich gerade ans Rucksackpacken. Sie hatten wohl die Nacht unter dem schützenden Dach der Höhle verbracht. “You go up?” fragte ich und bekam ein bejahendes Nicken. Leider haben wir die Gruppe den ganzen Tag nicht mehr gesehen. Vermutlich haben sind die Pläne durch das hereinbrechende Gewitter geändert.

 

Ab Pillar Cove ging es immer beschwerlicher bergan. Die gut 1200 Höhenmeter mussten irgendwie ihren Niederschlag in der Wegführung erhalten. Am Talschluss wurde es dann knifflig. Mittlerweile hatte es sich zugezogen und leichter Nieselregen setzte ein. Die Steinhäufchen endeten und wir suchten den steilen Berghang nach irgendwelchen Pfadspuren ab. Jeden noch so kleinen Pfad nahmen wir, um Höhe zu gewinnen. Das Gelände war von steilen Steinplatten durchsetzt und nicht leicht zu gehen. Endlich kamen wir wieder auf einen breiteren Weg.

Wir sahen oben auf dem Plateau drei Männer auf einem auskragenden Felsen tanzen. Na, das kann ja heiter werden. Zu unserem Glück kam ein weißes Pärchen die Schlucht hinunter und wir fragten sie nach den Fremden. Es seien Schäfer in Begleitung von mehreren Hunden. Sie hatten keine Probleme mit den Fremden. Das tröstete ein bisschen, wenn wir auch vorsichtig waren. Mittlerweile waren wir auch auf dem Plateau angekommen und nun waren wir in Lesotho.

 

Es war neblig und der Weg war nicht eindeutig erkennbar. Zudem bewegte sich die Männergruppe der Schafhirten auf uns zu. Also wichen wir im Halbbogen aus und das war unser Kardinalfehler. Denn damit kamen wir vom Weg zum Rhino Peak vollständig ab. Wir peilten bei Aufklarungen des Himmels einen Gipfel an, den wir in weiterer Entfernung sahen und den wir als Rhino Peak annahmen. Keuchend stiegen wir weitere ca. 100 Höhenmeter voran. Die Männergruppe bewegte sich parallel zu uns. An einer markanten Erhöhung beschlossen wir, dies als Endpunkt zu sehen. Es war nach 4,5 Stunden Umkehrzeit. Gerade gingen die Männer an uns vorbei und grüßten per Handwinken. Ich versteckte schnell meine Kamera in der Jackentasche.

 

 

Nun beeilten wir uns zurückzukehren. Uns war klar, dass unser höchster Punkt nicht der Rhino Peak gewesen sein konnte. Um ihn vielleicht doch noch zu sehen oder zu begehen, bewegten wir uns immer am Steilhang entlang. Und wieder kamen uns andere Schafhirten im Nebel entgegen. Alles unheimlich, besonders bei dieser nebligen Wetterlage. Diesmal wurden wir angesprochen und nach Geld gefragt. Nein, Geld hatten wir keines dabei. Aber eine Kommunikation in Englisch wollte auch nicht gelingen. Also Flucht nach vorne. Hastig suchten wir wieder den Einstieg in die Schlucht. Erst als wir 50 Höhenmeter tiefer waren, drückten wir uns in eine Schluchtecke und machten dort erst einmal Rast. Vorsichtig spähten wir nach oben, ob man uns eventuell folgte. Nein, wir blieben unbehelligt. Nach einer Stärkung mit Biltong (getrocknetem Fleisch) und Trockenfrüchten quälten wir uns wieder den Steilhang hinunter. Die Wegfindung gelang uns von oben kommend besser und wir schritten voran. 

 

Die Wegfortschritte beflügelten uns und vergessen waren die Mühen und die sich langsam meldenden Beine. Wir wählten auf dem Rückweg eine Variante über den Pillar Annex, eine andere Höhle, die den Wanderern Übernachtungsmöglichkeiten bietet. Und zum Schluss trafen wir dann auch noch eine Trekkinggruppe an, die die erste Etappe zur Höhle in Angriff nahmen. Na, da habt ihr aber noch ein gutes Stück Arbeit vor Euch, bis der Gipfel des Rhino Peak winkt.
Am nächsten Tag nahmen wir das Berggebiet noch einmal ins Visier und sahen "unseren Gipfel", der sich ein gutes Stück über dem Horn des Rhino Peak zeigte. Zufriedenheit machte sich breit...

23.12.2020   Und Wieder Sani-Pass - aber diesmal ganz anders....

O-Ton von Hans: "Hätte ich das gewusst, wäre ich nicht den Sani-Pass hinaufgefahren".

 

Wir passieren die Lesotho-Grenze und daher war ein aktueller Covidtest nötig. Südafrika hatte vorgesorgt. An der Grenze stand ein mobiles kleines Labor und für 170 Rand (9,50 €) konnte man einen Schnelltest machen lassen. Wir waren ganz vornean und stiegen am Morgen gegen 8.30 Uhr als Erste in das Mobil.

 

Fortsetzung folgt

Die besten Fahrsequenzen kommen in einem zusammengeschnittenen Video. Frank aus Wolfenbüttel hätte mit seinem Landrover absolute Freude gehabt, den Sani-Pass zu bewältigen. Wir bibberten innerlich manchmal, weil es hier und da knifflig wurde, denn die Piste war oft nur einspurig. Ein Hoch an Hans, der relativ cool die Strecke bewältigte. Das Handlung von Lissy (lt. Hans "Tin Lissy") ist uns immer vertrauter und mit Untersetzungsgetriebe spurte sie unentwegt den steilen Berg hinauf.

 

 

24.12.2020  Heiligabend mit Buffet im Gooderson Resort Drakensberg Gardens

Wir machen es uns an Heiligabend gemütlich. Morgens geht Hans noch einkaufen. Hier in Südafrika geht es viel nach englischer Tradition. Am 1. Weihnachtsfeiertag sind die Läden und Restaurants geschlossen. Das ist der wichtigste Weihnachts-Holiday-Tag für die Bewohner Südafrikas. Da trifft man sich mit der Familie (soweit es die Corona-Regeln erlauben.., die manchmal weiter ausgelegt werden) zum Mittagessen, zum Lunch und der wird dann ausgedehnt zelebriert mit Spielen, Geschenkeverteilung und Gesprächen. Am Boxing Day, dem 2. Weihnachtsfeiertag pendelt sich das öffentliche Leben schon wieder Richtung Normalität ein und die Läden haben auf. Bei den Restaurants ist es ganz unterschiedlich. Auf Khotso werden dann auch wieder die üblichen Aktivitäten wie Tubing und Reittouren angeboten.

 

Unsere deutsche Weihnacht ist sehr konzentriert auf das Geschehen an Heiligabend und die weiteren Tage gehören auch ganz der Familie. So war es uns wichtig, den Heiligabend entsprechend zu begehen und wir haben uns zum Buffet im Gooderson Resort angemeldet. Die Organisation war covid-entsprechend gut geplant. Jeder musste sich zu einem bestimmten Zeitpunkt anzumelden, so dass die Buffet-Aspiranten nicht zu Anfang in Massen auftreten. Tischabstände und "Spuckschutz" am Buffet sowie Maskentragen waren obligatorisch. Alles gut vorbereitet, so dass wir dem Ereignis gelassen und mit Genuss entgegensehen konnten. Die Qualität des Buffets war gemessen an dem doch recht erschwinglichen Preis von 14 Euro ohne Getränke sehr gut. Seht selbst!

 

Ein Choralsingen im Vorfeld sorgte für das Einstimmen auf Heiligabend. Ein Großteil der Gooderson-Belegschaft nahm daran teil und bewies Stimmqualitäten. 

...   Joggen frühmorgens

Es ist Regenzeit und oft ist es bis mittags trocken und recht heiß, bis sich dann mit Turmwolken ein herannahendes Gewitter ankündigt und Sturzbach-Regenfälle über den Campingplatz herunterprasseln.

 

Antizyklisches Handeln ist angesagt. D. h. 4.30 Uhr oder 5 Uhr aufstehen, evtl kurz Kaffeetrinken und dann nix wie los. Wenn wir Glück haben, sind die Mountainbike-Trails passierbar und wir sind nicht ständig im Pfützenhüpf-Modus. Sollten die Regenfälle allzu ergiebig gewesen sein, dann weiche zumindest ich auf die Straße aus, wo man "km schrubben kann...".

 

So langsam macht sich eine bessere Fitness bemerkbar und die Strecken werden länger oder auch schneller, wie man es nimmt.

... eine interessante Campinggemeinschaft

Das Campingvölkchen auf dem Khotso-Campingplatz wechselt immer wieder. Es sind interessante Persönlichkeiten dabei und bei den Begegnungen in unserer Küchenunterkunft ergeben sich oft längere Gespräche und Diskussionen.

 

Dabei bekommen wir Erste-Hand-Informationen zu gängigen Themen in Gesellschaft und Politik. Gerade, wenn die Gesprächspartner sozial engagiert sind, werden interessante Details erwähnt. Es ist schon erstaunlich, zu welchen Schlussfolgerungen selbst südafrikanische Bürger gelangen: "Wir sind in der afrikanischen Welt eine der faulsten Nationen verglichen zum Beispiel mit Zimbabwe, Uganda, Ruanda usw. " Dabei wird vor allem die Alimentierungspolitik bei z. B. beim Kindergeld (sogenannte "grants") an den Pranger gestellt. Pro Monat erhalten Mütter 350 Rand, also um die 20 Euro. Das ist zwar nicht viel, aber die Gegenleistung ist auch nicht hoch. Viele junge Mädchen sind nicht aufgeklärt und es herrschen immer noch dubiose Vorstellungen vom Kinderkriegen vor. Traurig. Eine Lehrerin erklärt mir von einem Extrembeispiel mit 10 Geburten, bis die junge Frau ihren Schulabschluss hatte. Da mussten wohl auch Zwillinge dabei gewesen sein.... Heftig.

Auch allgemeine lebenskundliche Themen von Kindererziehung zu Wohnen, Arbeiten, Behördenverkehr und weiteres sind unter der ärmeren Bevölkerung wohl nicht  durchgehend bekannt. Da fehlt es anscheinend sprichwörtlich an den basics.  Wobei man immer mit Verallgemeinerungen zurückhaltend sein muss. Es sind Einstellungen und Erfahrungen von einzelnen Südafrikanern, die ich hier preisgebe.

Als ich vorsichtig einen Vergleich zu Apartheidzeiten anspreche, wird mir von Gesprächspartnern mitgeteilt, dass die Armen auch heute noch arm sind und bleiben. Selbst die propagandabeladenen Housing-Projekte mit dem Aufbau von Haussiedlungen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.  Auch eine schwarze Regierung hat lt. meinen Kontakten kein Umdenken oder Handlungsinitiativen bewirkt und die Reichen bleiben reich bzw. es ist ihnen egal, welche sozialen Probleme vor der Haustür herrschen, solange ihr Status nicht gefährdet ist. Umso mehr erkenne ich Privatinitiativen an. Eine schwarze Lehrerin berichtet mir von ihrem Projekt in Townships, also Slums, mit Kindern ab 5 Jahren, denen sie im Projekt Einsichten in Life-Skills gibt.

 

Die Gespräche geben Anlass zu Recherchen in Presse und Dokumenten. Wie viel Apartheid ist noch in den afrikanischen Köpfen - seien es Weiße oder Schwarze. Oder gibt es heute eine schwarze Apartheid? Mehr und mehr wird mir bewusst, dass die Aufarbeitung von um die 45 Jahre Apartheidpolitik noch lange dauern wird. Immer wieder wird mir mitgeteilt, dass auf "schwarzer Seite" auch eine Haltung besteht, dass Unrecht in der Rassentrennung geschehen sei und dass nun in der Nach-Apartheid-Zeit die schwarze Bevölkerung fordern darf, und zwar ohne Gegenleistung. Dieses Hände-Offenhalten ist es manchmal, was mich stutzig macht. Da ist der Gedankensprung zum Betteln nicht weit und auch hier erhalte ich die Antwort, dass ich in anderen afrikanischen Nationen wohl weniger Bettelei (angeführt wird z. B. Uganda ) antreffen würde, sondern dass eher versucht würde, mir etwas zu verkaufen. Aber Bettler, die an den Kreuzungen großer Straßen stehen würden, gäbe es wohl in den angeführten anderen afrikanischen Nationen weniger bis gar nicht. Interessant. Ich werde das beobachten....

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